Bewegung

30.12.2017
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Je länger das Rheuma und ich in meinen Körper zusammen leben, umso wichtiger wird es, dass ich mich ausreichend bewege. Schleichend, nahezu unbemerkt, werde ich sonst von Tag zu Tag ungelenkiger. Dagegen hilft nur: Hintern hoch! Und den Teufelskreis aus Schmerz > Schonhaltung > mangelnde Bewegung > Schmerz durchbrechen. Dieser Blogbeitrag entsteht also aus ganz aktuellem Anlass, da ich mich momentan mitten in dieser ungesunden Spirale befinde.

Seit ich von zu Hause aus arbeite hat sich ganz allmählich eine gewisse “Trägheit” eingeschlichen - ihr dürft das Kind natürlich auch gerne beim Namen nennen und “Faulheit” sagen, denn so ist es zugegebenermaßen auch. Ich bin richtig faul geworden! Vorher hatte ich wesentlich mehr Bewegung im Alltag, ein strukturiertes und sanftes Betätigungsfeld, das man auch mit Rheuma gut bewältigen kann - an manchen Tagen mehr, an anderen weniger, mal energiegeladener, mal vorsichtiger - Hauptsache regelmäßig! Der Weg von der Wohnung zur Bushaltestelle, vom Bus zum Tram, vom Tram zum Büro, der Verdauungsspaziergang nach dem Essen und am Abend, gerade nach einem turbulenten Tag, bin ich oft nur ein paar Tramstationen gefahren und den restlichen Weg nach Hause gelaufen. Ich war mindestens einmal in der Woche für 30 Minuten im Schwimmbad, habe über Mittag im abgeschlossenen Meeting-Raum bei Pilates entspannt und vor dem Schlafengehen meine Dehn- und Kräftigungsübungen gemacht. Das hört sich viel an, “kostet” aber kaum Zeit und brachte mir so viel Lebensqualität. Mit wenig Aufwand hielt ich mich flexibel. Aus der anfangs lästigen Pflicht wurde zunehmend Spaß und ich spürte, wie gut es mir tat. Und jetzt? Eingerostet.

Besonders die letzten Wochen, seit ich das Leflunomid nahezu abgesetzt habe (1 Tablette ist noch übrig und wird morgen feierlich zum Jahresausklang eingenommen), spüre ich das ganze Ausmaß meiner Untätigkeit. So kommt es mir zumindest vor. Ich weiß, was man nun vermuten könnte: dass die wieder aufgetretenen Schmerzen gar nichts mit mangelnder Bewegung zu tun haben, sondern dass ich schlicht und ergreifend medikamentös schlecht eingestellt bin. Das mag wahr sein und ich bin Realistin genug, das nicht zu verdrängen. Bevor ich jedoch meine Therapie wieder anpasse werde ich alle Möglichkeiten ausschöpfen, um mich besser zu fühlen und die nichts mit Immunsuppressiva oder Schmerzmitteln zu tun haben: Ernährung, innere Balance und Bewegung.

Was nun zu tun ist habe ich hier als Mahnmal gegen meine Willensschwäche zusammengestellt. Bestimmt hilft es nicht nur mir, sondern auch euch. Jede noch so kleine Regung zählt. Hintern hoch!

So bewege ich mich am liebsten  

Spazierengehen.
Geht so gut wie immer (heftige Schübe ausgenommen) und macht kaum Umstände. Ich habe es mir angewöhnt, die 1,5 Kilometer zur Ergotherapie bei jedem Wetter hin- und zurück zu laufen. Nur, wenn es gar nicht mehr geht, nehme ich den Bus. Im Grunde kann man sich  selbst ganz leicht überlisten und viele kleine Spaziergänge in den Alltag einbauen, z.B. indem man zum Einkaufen läuft anstatt das Auto zu nehmen. Und wenn die Besorgungen auf mehrere Tage verteilt werden entsteht so auch kein ungesundes Geschleppe.
   
Gymnastik, Dehnübungen und Pilates. Viele Basics meiner Übungen kommen aus der klassischen Krankengymnastik wie Radfahren auf dem Rücken, Rumpfdrehen oder die Beinmuskulatur solange dehnen, bis man mit den Fingern die Zehen berühren kann. Ich habe vieles ausprobiert und auch schon mit Qi Gong und Yoga geliebäugelt, bin jedoch immer wieder bei meinen ca. 10 Lieblingsübungen hängen geblieben. Um ein gewisses Maß an Beweglichkeit aufrecht zu erhalten reichen mir 2-3 x 20 Minuten pro Woche. Am liebsten mache ich das abends auf einer Isomatte vor dem Fernseher. So habe ich etwas Ablenkung, wenn es weh tut. (-:
   
Nordic Walking. Davon bin ich Fan geworden, als wir beim Wellness-Urlaub im Bayerischen Wald einen Grundkurs mitgemacht haben. Zunächst kam ich mir richtig seltsam vor, mit Stöcken durch die Gegend zu staksen... was im Wald noch unbeobachtet von statten geht, ist in der Stadt schon noch eine Spur ungewohnter. Aber Hauptsache, es tut gut und macht Spaß - lasst die Leute gucken. Zugegeben, im Winter ist Nordic Walking nichts für mich. Aber von Frühjahr bis Herbst bin ich gerne zweimal in der Woche in leichter, bequemer Kleidung und mit Fingerhandschuhen (damit mir die Stöcke beim Schwitzen nicht aus den Händen rutschen) für eine halbe Stunde an der Donau unterwegs. Das passt auch perfekt in die Mittagspause.
   
Schwimmen. Das habe ich schon immer geliebt - nur in Naturgewässer gehe ich nicht gerne. Ich muss Fließen oder Metall unter mir sehen, dann bin ich in meinem Element und kann beim Bahnenziehen vollkommen abschalten. Brustschwimmen war eine Zeitlang ein heikles Thema, da hinterher die Schmerzen in meiner Halswirbelsäule noch schlimmer waren als vorher. Diese Woche habe ich wieder mit Schwimmen angefangen und freue mich riesig, dass es die Schmerzen und vor allem die Steifheit in den Wirbeln vertreibt. Zum Thema Faulheit sei zu sagen, dass Schwimmengehen schon mit einem gewissen Aufwand verbunden ist: erst einmal irgendwie zum Schwimmbad kommen, das lästige Umziehen im feuchtwarmen Milieu der Umkleidekabinen, die nassen Haare, die danach wieder so hergerichtet werden wollen, dass man keine Erkältung bekommt... Alles verständlich. Aber ist es nicht eines der schönsten Gefühle, wenn viele Bahnen später der ganze Körper gestärkt ist und sich jeder Muskel wohlig angestrengt anfühlt? Ja, gell.
 
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