Blutwerte

1.2.2018

Blog13png

Seit ich denken kann gehören regelmäßige Blutuntersuchungen zu meinem Alltag. So habe ich schon früh die Angst vor dem “Pieks” verloren und gehe nun ganz selbstverständlich zum “Vampir”, wie ich die Blutabnahme liebevoll nenne. Es ist für mich wirklich jedes Mal ein positives Erlebnis, denn ich weiß, wie wichtig die Ergebnisse für den Verlauf meiner Krankheit sind. Und nur äußerst selten kommt es vor, dass ich danach so verstochen bin wie auf dem Bild oben (-: Und auch das verheilt wieder.

Blut ist ein ganz besonderer Saft. Als im Oktober 1986 mein Rheuma festgestellt wurde, hat man diese Diagnose schlussendlich über das Blut gesichert. Natürlich fiel mein schmerzendes Knie ins Auge, das gerötet und geschwollen war, doch das konnte viele Ursachen haben. Die Blutuntersuchung zeigte, dass ich sowohl bei der Blutkörperchen-Senkungsgeschwindigkeit (“Blutsenkung”) als auch beim C-reaktiven Protein (“CRP”) erhöhte Werte hatte. Beides ist ein sicherer Indikator für Entzündungsaktivitäten im Körper. Dafür war (und ist bis heute) kein Rheumafaktor nachweisbar. So lautete mein Krankheitsbild damals dann auch “seronegative juvenile chronische Polyarthritis” - die Kinderform der rheumatoiden Arthritis, die mehrere Gelenke befällt, aber nicht durch den Rheumafaktor nachweisbar ist. Glaubte man noch einige Jahre zuvor, dass die sichere Diagnose Rheuma nur anhand des Rheumafaktors gestellt werden kann, so wusste man zum Zeitpunkt meiner ersten Beschwerden schon, dass Rheuma viele Gesichter hat.

Blutsenkung und CRP lasse ich auch heute noch bestimmen. So kann ich mir sicher sein, dass meine Medikamente tun, was sie tun sollen: mein Rheuma brav in Schach zu halten. Denn nicht immer sehe ich meinem Körper sofort jene Veränderungen an, die im Blut schon deutlich sichtbar sind. Umgekehrt muss nicht alles, was der Körper zeigt, im Blut nachweisbar sein. Als ich letztes Jahr im März zum ersten Mal einen Uveitis-Schub hatte, waren die Entzündungswerte im Blut absolut unauffällig. Wichtig ist, dass immer der ganze Mensch betrachtet wird. Deshalb möchte ich euch hier auch keine Empfehlung mitgeben, was gute und was schlechte Blutwerte sind. Lasst euch nicht verrückt machen von den Referenzwerten, Normbereichen und einem “zu hoch” oder “zu niedrig”. Es kommt immer auf die eigene Verfassung, den Leidensdruck und die Medikamente an. Meine Leukozyten (weiße Blutkörperchen, die für die Abwehrkräfte zuständig sind) sind immer zu niedrig. Ich weiß, dass das Leflunomid dafür verantwortlich ist, weil es mein Immunsystem unterdrückt und mich so vor Schüben bewahrt. Und ich weiß auch, dass ich trotz herabgesetzter Immunabwehr gesund leben kann und nicht bei jedem Infekt “hier” schreie. Darum erschreckt es mich auch nicht, wenn ich die Zahlen auf dem Ausdruck meiner Blutwerte sehe.

Also: Blutsenkung, CRP und Leukozyten sind wichtig. Der Einfachheit halber bittet ihr eure Ärzten einfach um ein sogenanntes großes Blutbild, das deckt alle Werte der roten und weißen Blutkörperchen ab. Was noch? Bei mir werden jedes Mal auch die Leber- und Nierenwerte überprüft, um Nebenwirkungen der Immunsuppressiva und Biologicals ausschließen zu können. In regelmäßigen Abständen, etwa jedes zweite oder dritte Mal, lasse ich auch nach der Schilddrüse schauen. Und wie oft nun überhaupt? Das kommt ganz darauf an, wie es euch geht. Wenn ihr gut eingestellt seid reicht es alle 2 Monate, in diesem Turnus hat es sich jetzt bei mir eingependelt. Wenn ihr ein neues Medikament bekommen habt oder irgendetwas nicht stimmt, muss in kürzeren Abständen nachkontrolliert werden.

Meine letzte Blutuntersuchung war im November 2017, mit einem fantastischen CRP von 0.6 - diesen großartigen Wert habe ich nun schon durchgängig seit Beginn der Therapie mit Leflunomid. Zwei Monate später ist er auf 2.7 angestiegen. Nun könnte man sagen, auch das liegt noch im Normbereich und ist kein Grund zur Panik. Sieht man aber das Gesamtbild, nämlich dass ich immer sehr niedrige CRP-Werte hatte, und die Beschwerden der letzten Wochen, plus den Uveitis-Schub, mit dem ich mich seit fast einer Woche abmühe... dann kann ich mir den erhöhten Entzündungswert nicht mehr schön reden. Ich stehe an der Schwelle zu einem ordentlichen Schub.

Und um nichts Gravierenderes zu riskieren, rechtzeitig die Kurve zu kriegen und allein schon deshalb, damit es mir wieder gut geht, nehme ich seit gestern wieder Leflon. Und irgendwie ist das jetzt auch gut. Dass das Hoffen und Bangen ein Ende hat, ob es ohne Leflunomid geht. Es geht nicht, sagt mir mein Körper. Zumindest nicht für den Moment, und auf dieser Basis geht es nun weiter. Sagt man nicht, never change a running system? Man sagt aber auch, so wenig wie möglich, so viel wie nötig. Den Versuch war es jedenfalls wert.