Danke, Rheuma!

Das Rheuma war immer präsent* und ich musste mich damit beschäftigen. Der Switch von der Annahme zur Identifizierung ist daher nur logisch, wenn ein Thema das ganze Leben einnimmt, wenn jede Tätigkeit dadurch abgewogen und gefiltert und darauf abgestimmt werden “muss”. Ich habe mir stets erzählt, dass das “Rheumaleben” ein Auf und Ab mit Schüben ist, dass ein Medikament irgendwann nicht mehr wirkt, dass in einer guten Phase der nächste Schub eigentlich schon wartet – und dann war’s auch so. Dann kam es so in mein Leben, weil ich es so wollte! Rückblickend weiß ich, dass ich selbst zu meinen Schüben beigetragen habe. Ich bin ein leuchtendes Beispiel dafür, dass die universellen Gesetze der Anziehung, die sich selbst-erfüllende Prophezeiung und das Gesetz von Ursache und Wirkung existieren.

Körper und Seele stehen bei mir so krass in Verbindung, dass ich eine Gänsehaut bekomme, wenn mich etwas in den Tiefen meines Herzens berührt. Genau sammle ich Anspannung in mir, wenn ich gegen etwas kämpfe, wenn ich etwas in meinem Leben nicht akzeptieren kann. Vor allem, wenn ich gegen mich selbst kämpfe und nicht das lebe, was ich bin. Blockierte Gefühle und unterdrückte Emotionen sind angestaute Energie. Energie, die nicht fließen kann, erzeugt Druck... und Schmerz. Mein Körper drückt aus, was mir meine Seele zeigen will. Durch diese besondere Verbindung ist es mir möglich, meinen Weg zu gehen, die Symptome meines Körpers sind die Zeichen wie die Brotkrumen auf dem Weg nach Hause.

Ich glaube fest daran, kann es heute glasklar mit neuen Augen sehen. Ich brauchte das Rheuma, diesen Lehrmeister und lebenslangen Begleiter bis zu einem bestimmten Tag, um mich selbst zu finden. Um die Tiefe und die Magie des Lebens zu entdecken. Das Rheuma ist keine unheilbare chronische Krankheit, sondern ein Botschafter und ein Geschenk. *Eben, ein Präsent!

Ich musste erst Schicht für Schicht bearbeiten, um zum Kern zu kommen: Krankheiten gehen nicht weg, solange wir noch einen Vorteil darin sehen – solange wir sie noch brauchen. Ich brauche das Rheuma nicht länger. Die Erinnerung an die Symptome genügt. Es ist nicht nur eine schöne Metapher, wenn ich sage, ich lasse das Rheuma gedanklich los im Sinne von ich lasse mich davon nicht mehr bestimmen – nein, das ist todernst, lebensernst gemeint: ich werde es los! Wenn ich so machtvoll war, die Symptome zu erschaffen, die mich “krank gemacht” haben, dann kann ich das genauso mit meiner Gesundheit, mit dem Gesund-Werden, mit der Rheuma-Beschwerde-Freiheit.

Ich tue alles dafür tun, dass diese Remission für mein restliches Leben anhält – dass dies die letzte Remission in diesem Leben ist. Viele nennen die Remission auf Deutsch auch “Stillstand”, aber das ist sie für mich keineswegs. Sie ist die größte Ent-Wicklung und ein tagtäglicher Fortschritt, Schritt für Schritt. Und sie ist irgendwann keine Remission mehr, kein Zwischenstadium zwischen zwei Schüben, sondern einfach... mein Leben.

Ich bin nur so krank, wie ich mich definiere zu sein. Wie ich entscheide, wie ich mich sehe, wie ich mich einschränke. Ich begrenze mich nicht länger, ich reiße die Mauern des Vorstellbaren ein, ich entscheide mich zu sagen: Ich habe 33 Jahre lang Rheuma gehabt. Nun ist es ruhig in meinen Knochen.

Ich kann es fühlen. Ich bin neu. Die Angst vor dem Schub, vor dem Verlust der Kontrolle, vor dem Ausgeliefert-Sein, ist nur noch ein Hauch wie ein verfliegendes Parfum. Die Schmerzen, die leichte morgendliche Zähigkeit und kleinere Schwellungen an den Gelenken sind lediglich ein kurzes Aufleuchten der Erinnerung an mein altes Selbst. Sie verschwinden mit Liebe, wenn die Energie fließt.

♥ Danke, Rheuma! Du hast mir die Augen geöffnet. It’s quiet in me.