Ergotherapie

11.1.2018
Blog12png
Meine Hand ist berühmt! Danke, liebe Frau Haas Schinzel & Team, dass Sie mich in Ihrem Kalender verewigt haben. Dass Ergotherapie noch mehr kann als schicke Schienen bauen, erzähle ich euch in diesem Beitrag. Wer aber trotzdem etwas über die Orthesen-Maßschneiderei wissen möchte darf gerne hier nachlesen: http://www.rheumatopia.de/blog/orthesen

Wenn man sich meine “Rheuma-Karriere” so anschaut, dann bin ich tatsächlich erst relativ spät ergotherapeutisch versorgt worden. Den Anstoß dazu gab (ich hoffe, ich erinnere mich richtig) im Herbst 2007 meine ehemalige Rheumatologin aus Illertissen. Sie hatte wie ich bemerkt, dass sich die Bajonettstellung an meinem linken Handgelenk immer stärker ausprägte und riet mir deshalb zu einer Orthese. Vor dem Termin war ich mehr als skeptisch. Ab und zu hatte ich bereits Bandagen getragen, doch nun sollte ich ein starres Plastikteil bekommen, das fast den ganzen Unterarm mit-umschloss und damit derart auffällig war? Doch ich würde diesen Beitrag nicht schreiben, wenn das Ganze nicht ein gutes Ende genommen hätte. (-:

So fürsorglich, wie man mit mir umging, so behutsam und doch bestimmt, mir die Wichtigkeit der Orthesenversorgung zu erklären - so schnell zerstreuten sich meine Bedenken nach dem ersten Kennenlernen. Und wie schick die Handgelenksschiene war. So schick, dass mein damals siebenjähriger Neffe sagte: “Das sieht aus wie beim Darth Vader!” Ich trug Hilfsmittel und das war cool.

Nachdem mir meine Ergotherapeutin alles über Gelenkschutz beigebracht hatte folgte ein mühevolles und manchmal schmerzhaftes Umlernen alter Gewohnheiten. Nein, ein Glas mit Schraubverschluss wird nicht mit Gewalt geöffnet. Nein, es ist nicht nötig, es “allen zeigen zu müssen”, dass man die Hände wie ein gesunder Mensch benutzen kann. Falscher Stolz tut nur weh und hilft niemals. Das ist eine der wichtigsten Lektionen, die ich in meinem Leben lernen durfte und ich bin sehr dankbar dafür. Sich Hilfe zu suchen, selbstbewusst die Dinge anders “hand”haben und zu erklären, was warum nicht so geht, wie die Mitmenschen es gewöhnt sind, hat mich weitergebracht und mir über die Jahre viel Schmerzen und Stress erspart.

Das A und O beim Gelenkschutz ist, dass ihr mit weniger Kraft und dem Einsatz der größeren Gelenke eure kleinen Gelenke schont. Gerade unsere Fingergelenke sind im Alltag schon genug belastet. Nagt dann noch das Rheuma daran bzw. bestehen schon Arthrosen oder Verformungen, ist Unterstützung bitter nötig. Dafür gibt es die tollsten Hilfsmittel, mit denen ihr euch das Leben leichter machen könnt: Aufsätze für Flaschendeckel, um eine größere Hebelwirkung zu haben, was eure Finger weniger belastet; Verdickungen für Stifte, damit das Schreiben wieder leichter fällt; Putzlappen, die man nicht so fest auswringen muss; ergonomische Tastaturen und Mäuse - und, und, und. Man kann das gar nicht oft genug wiederholen und die Tipps und Tricks weitergeben. Außerdem lernt man selbst als alter Rheuma-Hase nie aus, da es stetig neue spannende Hilfsmittel gibt. Deshalb werden wir mit der Rheuma Liga im Februar eine Gelenkschutzschulung für junge Rheumatiker anbieten ...aber zurück zum Thema.

Meine Ergotherapeutin hat sich nicht nur voller Hingabe um meine Hände gekümmert. Als ich im Winter 2009 kaum mehr laufen konnte, weil die Arthrose im rechten Sprunggelenk so weit fortgeschritten war, dass nur noch Wackelbewegungen möglich waren, empfahl sie mir MBT Schuhe. Es blieb nicht bei der Empfehlung - bestimmt wurde gleich gehandelt und sie hat die Schuhe für mich bestellt. Nach zwei Wochen war ich wieder in der Therapiepraxis und konnte die guten Stücke ausprobieren. Ich kann mich noch gut daran erinnern, wie verblüfft ich war, dass ich mithilfe der runden Schuhsohle plötzlich wieder abrollen konnte. So begleiteten mich diese Schuhe dann durch den ganzen Winter und den folgenden Frühling, bis ich im Mai 2010 meine Sprunggelenks-Prothese bekam. Die Schuhe habe ich heute noch und nutze sie ab und zu, um meine Balance und Beinmuskulatur zu trainieren. Es ist ein großes Glück, dass ich nicht mehr auf sie angewiesen bin.

Fast elf Jahre sind nun vergangen, seit ich das erste Mal meine Therapiepraxis besucht habe. Da ich eine beständige Baustelle bin gibt es noch genug mit und an mir zu tun. Momentan macht mir die Arbeit mit Maus und Tastur etwas Probleme (eine Systemumstellung bringt mit sich, dass mehr geschrieben und geklickt werden muss, was mir oft ziemlich auf die Handgelenke schlägt) und ich werde daher alle ein bis zwei Wochen mit manueller Therapie verwöhnt. Da gibt es zum Beispiel die sehr angenehmte und durchblutungsfördernde Ultraschallbehandlung, verschiedene Therapien, um mit Faszientraining Schmerzlinderung und Entspannung herbeizuführen und die zunächst sehr schmerzhafte, aber hinterher um so wohltuendere Behandlung der Triggerpunkte. Wellness für die Hände!

Meine lieben Therapeutinnen - danke für all das Gute, was ihr für mich tut.

Aktualisiert (Fehler ausgebessert) am: