Ernährung

19.7.2017

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Nahrung ist Medizin. Das haben wir Menschen schon zu allen Zeiten gewusst, vergessen und wiederentdeckt. Wir entscheiden mit jedem Bissen, was uns gesünder werden lässt. Als ich vor fast 11 Jahren meine Ernährung grundlegend umstellte habe ich nicht erwartet, wie schnell und wie nachhaltig es mir besser gehen würde. Ich bin ein lebendiges Beispiel dafür, was mit Mut und Experimentierfreudigkeit möglich ist, und dem festen Willen, alte Gewohnheiten zu verlieren für einen Gewinn an Lebensqualität.

Im September 2006, ich hatte gerade zwei Wochen Urlaub, stolperte ich über eine Studie, die die Auswirkungen von veganer, vegetarischer und omnivorer Ernährung auf die rheumatoide Arthritis beschrieb. Leider kann ich mich nicht mehr daran erinnern, ob es online oder ein Zeitungsartikel war. Ich vermute aber, dass es um diese Studie aus Oslo ging. Was zählt ist, dass mich dieser Artikel derart aufgerüttelt hat, dass ich einfach wusste: das musst du probieren! Und was konnte schon schiefgehen? Ich hatte frei und dachte mir, dass es somit kein Problem sein würde, falls ich nicht genug Energie bekäme, und mich außerdem voll und ganz auf das Experiment konzentrieren könnte. Außerdem steckte ich sowieso gerade in einem Schub und konnte jegliche Unterstützung gut gebrauchen. So entschied ich mich also dafür, von “jetzt auf gleich” von omnivor auf eine rein pflanzliche Ernährung umzustellen - da laut Studie die Vegangruppe objektiv die besten Blutwerten und subjektiv das schmerzärmste Körpergefühl hatte.

Ein Allesesser im wahrsten Sinne war ich schon seit frühester Kindheit nicht mehr. Meine Familie hat sehr darauf geachtet, dass ich keine fetten Fleisch- und Wurstprodukte zu mir nehme, zuckerhaltige Getränke gab es nie und andere Süßigkeiten nur zum Wochenende. Ich bekam Rohmilch direkt vom Bauern um die Ecke meines Elternhauses, um mein Immunsystem aufzupäppeln und genügend Calcium für meine Knochen zu haben. Wer wusste damals schon, dass Eiweiße aus tierlicher Quelle als Nebenprodukt ihrer Verstoffwechselung Arachidonsäure bilden, die wiederum Entzündungsprozesse begünstigt? Dem Fehlen dieser Säure schreibe ich zu, dass sich nach nur einer Woche meine Schmerzen halbiert hatten und nach einer weiteren Woche fast nicht mehr spürbar waren. Es war mein persönliches Wunder.

Seitdem ist es für mich ganz natürlich, mich rein pflanzlich zu ernähren, weil ich weiß, wie es sich anfühlt, wenn ich es nicht tue. Was aus gesundheitlichen Gründen begann wurde auch rasch ethisch untermauert. Veganismus ist für mich mehr als Essen und Gesundheit. Er gehört für mich zu einem gewaltfreien Leben dazu. Ich zwinge niemandem meine Weltanschauung auf, denn ich respektiere, dass jeder Mensch seinen eigenen Weg in diesem Leben wählt. Jedoch informiere ich gerne darüber, weil ich hoffe, ihr ergreift die Möglichkeiten, die euch eine Ernährungsumstellung bieten kann. Ich wünsche mir, dass ihr damit ebensolche umwerfenden Erfahrungen macht!

Aller Neuanfang ist schwer, das weiß ich - aber in kleinen Schritten schafft man alles.

Für meine Umstellung habe ich zunächst gar nicht so viel anders gemacht als sonst. Ich habe mir angeschaut, wie meine drei Hauptmahlzeiten aussehen und wie ich hier kleine, aber wirksame Veränderungen vornehmen kann. Mein Frühstück bestand aus Rohmilch mit Müsli - das wurde zu Haferflocken, Obst und Reismilch. Zu Mittag kam ich in den Genuss von Mamas guter Küche und ich bat sie, für mich ab sofort nur Gemüse und Beilagen zu kochen. Gemüse ist so vielfältig, dass gar keine Langeweile aufkommen kann, und mit Nudeln aus Weizengries, Reis und Kartoffeln dazu wird jeder satt. Abends war am leichtesten, denn auf mein Brot kamen öfter schon pflanzliche Aufstriche, und das wurde nun einfach zur Regelmäßigkeit. Das muss nicht als einzige Inspiration dienen, denn wer heute auf vegan umsteigen möchte findet online wie offline eine Fülle an Ideen!

Nach fast 11 Jahren vegan ist es auch für mich Zeit, etwas Neues auszuprobieren.

Derzeit nehme ich nach und nach mehr Rohkost zu mir und wünsche mir, dass ich dadurch auf eines meiner Medikamente, das Immunsuppressivum Leflunomid, verzichten kann. Ich spüre, dass jetzt der richtige Zeitpunkt gekommen ist und ich versuchen will, mit so wenig Medikamenten wie möglich auszukommen. Mein Körper hat mir bereits einmal bewiesen, dass die richtigen Lebensmitteln wahre Mittel für das Leben sind. Ich habe mit Nahrung meine schlimmsten Schmerzen besiegt. Nun wage ich den nächsten Neuanfang.

Ich masse mir nicht an zu behaupten, dass eine rein pflanzliche Ernährung für jeden Menschen mit Rheuma funktioniert. Aber ich möchte aufmuntern, es zu versuchen. Was gibt es zu verlieren? 

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