Freiheit

Es ist still geworden in rheumatopia... und es war eine heilsame Stille und Ruhe, die ich gebraucht habe. Ein In-mich-zurückziehen, um zu wachsen. Fünfeinhalb Monate ist es nun her, seit ich den Schritt in die Selbstheilung gegangen bin, seit ich das Kortison abgesetzt und so manche Veränderung mehr angestoßen habe. Im August 2019 habe ich den Februar 2020 vor mir gesehen. Ich habe all meine Energie, meine Wünsche und Träume in die Zukunft geschickt, die heute das Heute ist. Ich habe die Dankbarkeit dafür gefühlt, wie umwerfend es sein wird, wie geflasht ich sein werde, wenn ich dort bin. Und ich habe die Ängste und Zweifel getragen, die leise Stimme dir mir sagte, das klappt nie, was denkst du wer du bist, was bildest du dir ein... Heute bin ich nicht dort, wo ich hinwollte – ich bin noch viel weiter.

Ich möchte euch gerne mitnehmen und euch beschreiben, wie sich das Gefühl von Vertrauen in meinen Körper und das Arbeiten mit den Symptomen verändert hat – es nachvollziehbar machen, damit auch ihr es erreichen könnt, oder zumindest den ersten Schritt wagen. Weil ich an mich geglaubt habe. Und weil ich mir wünsche, dass ihr an eure Stärke glaubt.

Schauen wir einmal mehr zurück. Kommt mit mir mit in das letzte Wunder-volle halbe Jahr...

❥ Ende August 2019.

Die Zornesfalte zwischen meinen Augen wird sichtbar weniger. Ich halte die Gabel in der linken Hand, spieße auf und… esse einfach, ohne darüber nachzudenken, was ich da gerade tue oder in Frage zu stellen, dass ich das “eigentlich überhaupt nicht kann”. Ich esse mit links!

Mir kommt ein Gedanke… ich habe mein bisheriges Leben lang immer Menschen abgelehnt, belächelt oder innerlich klein gemacht, die den Weg der Selbstheilung gehen wollten. Habe sie kleingeredet aus Angst vor mir selbst, weil ich noch nicht bereit war für diesen Weg. Und aus Angst, dass sie größer sein könnten in ihren Taten als ich selbst.

Die Art und Weise, wie du mich behandelst, zeigt wer du bist, und nicht wer ich bin.

Nun, selbst auf diesem Weg, erkenne und spüre ich selbst die Ablehnung am eigenen Leib. Sprichwörtlich, und in Gefühlen und Empfindungen, die durch jede Faser meines Körpers rauschen. Ich verstehe, dass manche Menschen nur meine damalige Geschichte liebten und nur deshalb Zeit mit mir verbrachten. Das ist heute noch so – Menschen lieben Stories und das Drama. Mancher Austausch geht nur um die Geschichte, die wir uns erzählen. Die Geschichte was ist, wie etwas ist, wie etwas werden könnte usw. Der komplexe Mensch dahinter, der nicht immer konsistent ist mit seiner Geschichte, der zweifelt und sich ausprobiert, weil er selbst im stetigen Wandel ist, weil alles Veränderung ist… das ist vielen Menschen zu viel oder nicht von Interesse. Doch es spielt keine Rolle. Was auch immer passiert: es hat nichts mit mir zu tun.

❥ Anfang September 2019.

Ich hätte nie gedacht, dass ich einmal zu einem solchen Morgenmensch werden würde – auch das “Ich bin kein Morgenmensch” habe ich mir eingeredet, und ich kann mich so verändern, dass ich mir das Gegenteil “einreden” kann. Ich schaue weniger Serien und Filme, da ich die Lehre nicht länger füllen muss, weil in mir so viel ist. So viel… Ich bin beeindruckt davon, was in mir steckt!

Der Prozess des Rückblicks ist Salz in meinen Wunden. Die Arbeit an meinen blockierten Gefühlen, mit meinem Ego und meiner Kontrolle, tut weh. Es zieht mich oft hinunter, der Mantel der Düsternis droht mich wieder in seine Fänge zu nehmen. In all der Arbeit und all der Trauer will ich nicht aus den Augen verlieren, dass ich in meinem Traumhaus und mit meinem Traummann lebe und das auch genießen und im Gleichgewicht bleiben darf! Herauszoomen aus der inneren Arbeit, in die Dankbarkeit. Schau, es ist so viel in deinem Leben, wofür du dankbar sein kannst! Selbst, wenn der ganze innere emotionale Keller dich in seinen Sumpf zu ziehen droht – das ist “nur” in dir. Auch das kannst du nicht zu ernst und nicht zu persönlich nehmen. Ich darf lernen, auch in meinem Schmerz keine Dramaqueen für andere zu sein. Warum soll mein Partner mich aushalten, wenn ich mich selber nicht aushalten kann?

In der Meditation komme ich in mir an, komme in Fluss indem ich weine, löse die Anspannung und den Schmerz und löse mich auf in Liebe. Werde geerdet und komme in Ruhe, ruhe in mir, sehe und verstehe den Schmerz, komme in meine Kraft. Und heile.

ICH VERTRAUE MEINEM KÖRPER genug, dass er keine Entzündungen produziert. Vielleicht ist nun endlich Frieden in meinem Körper. Was denken die Menschen… “Medis absetzen ist ja noch kein Erfolg!” Ich lasse mir von niemandem mehr etwas schlecht reden. Ich bleibe bei mir! Oder “Wenn du jetzt auch ohne Medikamente klarkommst, war es ja dann nie sooo schlimm oder wie?” Stimmt! Viel von dem Drama habe ich mir selbst eingeredet – das war schlimm. Das war mein Mindset, mein Nicht-genug-sein, meine Kontrolle. Das war mein Krieg mit mir selbst.

❥ Mitte/Ende September 2019.

Where focus goes, energy flows. Meine aktuelle Morgenroutine sieht so aus:
  1. Im Körper ankommen und dankbar sein für eine neuen geschenkten Tag.
    ... jeder Tag ist ein neues Leben!
  2. Intention für den Tag finden
  3. Öl ziehen, Zunge reinigen, Zähneputzen
  4. Kaffee genießen, frische Luft reinlassen
  5. Meditieren
  6. Mein ICH BIN aktivieren
    ... ich bin unendlich. ∞

Ich gehe schon gar nicht mehr mit dem Gedanken ins Bett, dass ich schauen muss, wie es mir am nächsten Tag “gesundheitlich” geht und ob ich das überhaupt machen kann was ich machen will. Ich weiß, ich bin gesund und in der Lage dazu, mit jedem Symptom zu arbeiten und trotzdem “mein Ding” zu machen – ich bin nichts ausgeliefert, nur meinem eigenen Bewusstsein von mir.

Dennoch, und all der Zuversicht zum Trotz, bekomme ich geschwollene Gelenke an Hand, Sprunggelenk und beiden Knien. Ich sitze im Schneidersitz beim Meditieren, alles tiptop, keine Ruheschmerzen. Dann will ich aufstehen und weiß nicht, wie ich meine Beine auseinanderfalten kann! Ich sitze da und habe keine Ahnung, ob ich darüber jetzt lachen oder losheulen soll. Es ist komisch und tragisch zur gleichen Zeit. Am Ende entscheide ich mich für's Lachen und die Gelassenheit, weil ich weiß, alles andere führt mich nicht weiter.

Und ich gebe mir Zeit. Ich halte mich an das, was Verena Faßbender einmal in einer Podcastfolge sagte: so lange, wie du das Rheuma in Jahren gehabt hast, so lange braucht im Schnitt die Heilung in Monaten. Und nach 33 Jahren mit Rheuma-Symptomen bzw. im Selbstbild eines rheumakranken Menschen darf ich locker auf 2.5 Jahre Arbeit und Geduld schauen!

❥ Anfang Oktober 2019.

Das Wetter ist nicht das entscheidende, sondern das Wetter in dir!

Es ist absolut fantastisch, wie ich auf den Wetterwechsel dieses Herbstes ohne Schmerz und Steifigkeit reagiere – das wahrscheinlich erste Mal. Oder zumindest das erste Mal, dass ich mir dessen auf eine völlig neue Art bewusst bin. Und dass ich es zum ersten Mal in vollkommener Dankbarkeit erleben darf. Das Gefühl in meinem Körper, meine ganze Haltung, sämtliche… es ist so schwer zu beschreiben!

Da ist Kraft, Geschmeidigkeit, Beweglichkeit, Strahlen, Energie… alles ist offen und weit und entspannt, nichts drückt oder spannt oder knirscht oder hakt oder bleibt stecken. Mein komplettes Körpergefühl ist neu. Ich lebe tatsächlich in einem neuen, starken, im besten Sinne auf sich allein gestellten Körper!

Ich spüre oder bekomme keine Schmerzen in meiner Halswirbelsäule beim langen Sitzen und mit vielen Gesprächspartnern, keine Schmerzen in den Fingern beim Schreiben, auch nach einem sehr anstrengenden Nordic Walking bin ich innerhalb von zwei Tagen beschwerdefrei. Auch im größten Stress entwickle ich keine Schmerzen. Auch, wenn mich Ereignisse emotional aus der Fassung bringen, streife ich das durch Bewusst-Sein “einfach” ab, bringe mich wieder in meine Mitte, vermag mich zu erden... Weil ich endlich verstehe, dass ich selbst dazu beitrage, dass es mir schlecht geht. Und eben auch dazu, dass es mir gut geht, und ich endlich Mittel und Werkzeuge dafür habe.

Ja, irgendwann kommt der Punkt – da geht es einfach und man findet Wege, ohne Medikamente die Symptome aufzulösen. Oder (und das ist die nächste Stufe) sie gar nicht erst entstehen zu lassen. Komplett ohne Medikamente... ich hätte mir das nie im Leben vorstellen können, absolut nicht! Jeder Tag, an dem ich mir das bewusst mache, ist ein Wunder und wird magisch. Alles verblasst hinter diesem Wunder. Ich schreibe mir das mitten ins Herz, für meine dunkelsten Stunden: Mach dir das jeden Tag bewusst – das Wunder, das du bist, und das du gerade aus dir machst, und aus dir erschaffst.

❥ Mitte Oktober 2019.

Jetzt bin ich in der Phase, in der es ans Eingemachte all der jahrelangen Verspannungen geht. Die anfangs stechenden Warnschmerzen haben sich als Schwellungs-/Anspannungsschmerz zurückgezogen. Mein linkes Knie, meine linke Hand und mein rechtes Sprunggelenk feuern. Die Wut muss fließen. Es ist wunderbar zu spüren, wie sich mein Körper anfühlt, wenn nichts unterdrückt wird.

Die Entzündung und die Schmerzen sind ein Zwischenschritt auf dem Weg zur Heilung.

Ich darf lernen, meine linke Hand wieder mehr “aufzumachen”. In mir ist stets eine kleine Ecke, die sie beobachtet und verkrampft wird. Eine negative Aufmerksamkeit, die Angst hat. Vielleicht habe ich zu viel genommen, vor allem über das Handy? Was ich gerade fühle sind keine Gelenk- oder Knochenschmerzen mehr, sondern feste An- und Verspannungen, der eindeutig spürbare Ausdruck von festgehaltener blockierter Energie. Doch auch sie wird fließen, in ihrem Tempo. Ich darf das wahrnehmen, und allein das ist schon der erste bewusste Schritt zur Heilung.

Die Subluxation verschwindet. Ich kann es kaum glauben, aber es ist eine Tatsache: mein linkes Kiefergelenk geht ohne Knacken auf. Auch die gelben Flecken in meinen Augen, die Erinnerung an die erhöhten Leberwerte vor sechs Jahren, werden immer heller.

Ich empfinde ein heftiges Kribbeln bei meinen Dehn- und Lockerungsübungen. Ist das jetzt die wieder fließende Energie, die E-motion? Das Geheimnis des Flexibel-Werdens ist, nicht mit Druck zu dehnen, zu drücken oder zu federn – sondern loszulassen. Dann gibt es von ganz allein mehr Spielraum (-: Das habe ich jahrelang “falsch“ gemacht, und dabei war es so naheliegend und so einfach! Let it flow.

❥ Ende Oktober 2019.

Chronische Schmerzen sind wie Phantomschmerzen in einer Gliedmaße die noch da ist! Ich habe ein Brummen und Dröhnen im linken Ohr. Meine gesamte Haut steht unter Spannung, schon die sanfteste Berührung schmerzt leicht… Unter der Zähigkeit meiner Gelenke liegt die Angst vor dem Schmerz, der dann jedoch mehr zu einem Zusammenzucken und Erschrecken wird, und es tut überhaupt nichts weh. Trotzdem verwende ich keinen Eispack, kein Wärmetier, kein Linsenbad – ich will spüren wie ich bin, wie ich mich anfühle ohne all diese “Betäubungen” und Ablenkungen.

Mein neues ich – wie habe ich mich verändert?

Es triggert mich, wenn Menschen mich als “chronisch krank” bezeichnen – doch das ist lediglich eine Erinnerung an mein ehemaliges Selbstbild, und die Menschen sehen mich noch so. Ich darf es ihnen nachsehen. Sei entspannt mit deiner Vergangenheit und wisse, das alles Veränderung ist. Veränderung entsteht aus Erfahrung, dem Lerneffekt und neuen Impulsen. Aus eigenen Erlebnissen und Denkanstößen von außen. Du schaust, was mit dir resoniert, wo dein Herz sich meldet, und dann etablierst du die neuen Lebensweisen in der tagtäglichen Übung. Was haften bleibt, was zu dir gehört, wird dein neues Ich.

Und warum tue ich mir das eigentlich an – die “Qual” mit dem Absetzen der Medikamente, das unbequeme Neue, die Zweifel und Sorgen vor der Veränderung und vor allem: all die Angst? Weil ich frei sein will! Vollkommen unabhängig, vollkommen ich selbst, und auch nicht freiwillig abhängig von Unterdrückersubstanzen. Weil ich mich pur spüren will. Weil ich ein lebendes Beispiel sein will für mich und andere, dass Selbstheilung wahr ist. Dass alles in uns ist. Weil ich das Drama um neue Schübe und neue Therapien und neue Zeit in Ärzte-Wartezimmern nicht länger will. Weil ich Grenzen sprengen will – meine selbst gesetzten und die mir auferlegten. Die Grenzen meines aktuellen Status quo, meines Weltbilds, meiner Komfortzone. Und die Grenzen des mir Vorstellbaren.

❥ Anfang November 2019.

Beide Knie sind abgeschwollen, meine linke Hand ist nicht mehr so heiß. Nach der Ruhe kommt die Steifigkeit. Es fällt mir schwer, aus einer länger entspannten Position rasch aufzustehen. Ich humple und kraxle… Wo gönne ich mir keine Ruhe? Wo bin ich in mir noch steif?

Hinter jedem Konflikt steckt die Möglichkeit, Harmonie wiederherzustellen. Dein Körper stellt sich nie gegen dich – er zeigt dir nur, was schon da ist. Nichts blockiert mich mehr wirklich – meine Gelenke leisten keinen Widerstand in der Bewegung. Was bleibt ist die leicht schmerzhafte Zähigkeit, die mir Angst macht. Diese Angst darf ich transformieren lernen.

Es ist eine Empfindung, die ich nur sehr schwer beschreiben kann – nicht wirklich wie überanspruchte Muskeln oder Morgensteifigkeit, eher, als könnte die Energie nicht richtig fließen oder muss neue Wege finden. Meine Physiotherapeutin, die meine Reise und meine Transformation begleitet, hat es so treffend beschrieben: “Du bist wie eine Schlange, die sich gehäutet hat, und die sich jetzt in ihrer neuen Haut zurechtfinden muss.”

Mitte November 2019.

The tears are welling in my eyes again
I need twenty big buckets to catch them in
And twenty pretty girls to carry them down
And twenty deep holes to bury them in
– Hallelujah, Nick Cave & The Bad Seeds

Es ist noch rund ein Monat bis zu meinem Geburtstag und es hat mich heruntergezogen. Ich sitze zurzeit einfach da, bin wie ein- und festgefroren und weine einfach nur, schluchze, weil ich mich fühle als würde ich platzen – ist es Freude, Glück, Überwältigung oder Verzweiflung – ich vermag es nicht zu sagen. Angst? Wahrscheinlich. Doch ich brauche keine Angst haben vor meinen eigenen Entscheidungen und Kreationen. Ich weiß, ich komme wieder hoch! Ich koche mir goldene Milch, mache meine tägliche Meditation, räume in mir auf, beginne zum ersten Mal seit Jahren wieder auf einer Leinwand zu malen. Ich liebe, was ich tue. Und ich liebe auch die Melancholie, das Alleinsein und die Einsamkeit, um wieder mit allem eins zu sein.

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Ich sehe einen neuen Schleier auf dem linken Auge und ich habe wieder mehr Mouches volantes entwickelt – die gelöste und abgestoßene innere Augenhaut, die vor meinem Sichtfeld als kleine Mücken und Fussel herumschwirrt. Vielleicht löst sich da gerade wieder etwas in mir? Annehmen, nicht kämpfen... Ich gehe durch den Gelenkentzündungsschub, um Vertrauen und Sicherheit zu erhalten. Durch gezielte Bewegung durch den Schmerz gebe ich meinem Körper Vertrauen, dass ich sage: ich weiß, du kannst das. Wir machen es zusammen – ich helfe dir. Dasselbe muss jetzt mit den Augen passieren. Ich muss es einmal alleine durchhaben, um zu heilen und es zu verarbeiten und zu verstehen, was es bedeutet und wie ich es lösen kann.

❥ Ende November 2019.

Wir sehen nur, dass die Symptome schwächer werden, dass “es” besser wird, und glauben, das Medikament war es – das Medikament hat geholfen. Du kannst nicht wissen, ob du hinter den Medikamenten nicht auch aus eigener Kraft gesund geworden wärst!

Und dann gibt es diesen Moment, da flackert die Realität und du siehst alles mit neuen Augen, als würde alles leuchten. Alles ist überstrahlt von Dankbarkeit, jeder Gegenstand, jeder Mensch – alles. Du spürst, wie viel du hast und wie dankbar du sein darfst, dass all das in deinem Leben ist. Dass du reich und sicher und erfüllt bist und es dir an nichts mangelt. Und dass egal, wie genervt du von etwas bist – “Das macht mich krank!” – das ist alles Quatsch. Das Leben, das du da hast, ist der HAMMER! Schlicht und ergreifend, weil du lebst. Unsere Angst vor dem Tod ist die größte Liebeserklärung an das Leben. Wir wollen so sehr leben, dass wir Angst haben zu versagen, dass es vorbei sein könnte jeden Moment und wir nicht absolut gelebt haben. Dabei lähmt uns diese Angst gleichzeitig, nimmt Vertrauen und Freiheit. Keine Angst zu haben zu sterben, weil man weiß, der Tod ist ein Teil des Lebens, ist wohl der vollendete Liebesbeweis an das Leben.

❥ Dezember 2019.

Es kommt alles in Fluss, irgendwie, so ganz heimlich still und leise, und magisch.

Meine Knie sind nahezu schmerzfrei, mein Sprunggelenk ist abgeschwollen, meine linke Hand hat wieder mehr Kraft – wow! Ich kann mich auch nach längerem Aufhalten in der gleichen Position gut bewegen, komme schneller aus dem Sitzen hoch, die Gelenke schwellen ab... Es ist, als wäre ich “über den Berg” und das schneller, als ich gedacht habe. Ich bin dort, wo ich hinwollte – ich bin durch den Sturm und die Angst und die Zweifel. Das Wunder geschieht. Ich erlebe, was ich erschaffe!

Der Grund warum du Rheuma hast ist auch der Grund, warum es nicht weggeht!

Was für ein Satz, über den ich zur Zeit viel nachdenke. Ist es wahr? Ich finde Beispiele in meinem Leben, etwa 2009 auf 2010, als ich gar nicht mehr laufen konnte mit meinem zerstörten rechten Sprunggelenk... habe ich da den Absprung von meiner früheren Firma und all der Destruktivität dort nicht geschafft, und brauchte dafür erst mein neues Sprunggelenk! Oder in Bezug auf meine linke Hand – was konnte ich nicht “in die Hand nehmen”? Mein Leben, war ich fremdbestimmt? Wo war das Vertrauen? Diese und ähnliche Gedanken begleiten mich, seit ich diesen Weg eingeschlagen habe. Sie sind im wahrsten Sinne des Wortes nicht mehr wegzudenken – einmal gelernt, einmal in neuen Bahnen gedacht, gibt es kein Zurück mehr. Du kannst nicht mehr zurück auf eine unbewusstere Stufe.

Jede Krankheit ist Herstellung des Gleichgewichts durch Ungleichgewicht. Jede Krankheit entsteht im Bewusstsein. Auch die Einteilung in körperliche und geistige Krankheiten ist daher Quatsch – alles ist psychosomatisch – aus dem Bewusstsein auf den Körper. Die Ursache/das Entstehen liegt immer im Bewusstsein/in der Emotion, kann lediglich im Geist oder Körper die Hauptsymptome ausdrücken. Erkranken kann immer nur der Mensch. 

Je aggressiver wir über uns denken und fühlen, umso aggressiver ist das Rheuma und desto stärker prägen sich die Knochendeformitäten aus (e-motion, blockierte Gefühle). Wenn die Aggression geht bilden sich die Verformungen zurück, die Energie fließt wieder. Klingt wie im Märchen? Schaut euch mein Kiefergelenk und meine linke Hand an und seht selbst. Ich würde es auch nicht glauben, wenn ich die Veränderungen nicht eindeutig vor Augen hätte. Jeden Tag.

❥ Januar 2019... bis heute.

In den Raunächten vom 25.12.2019 bis zum 6.1.2020 nehme ich mir Zeit für mich. Zwölf Nächte für zwölf Monate, um mich neu auszurichten. Nehme mir die Zeit für das Erschaffen des neuen Jahres. Ich habe den Punkt überstanden, an dem ich von einem Tag zum anderen überlege: brauche ich heute Unterstützung? Mein Kopf ist frei, mein Denken ist frei. Ich filtere das Leben nicht mehr durch die Augen eines für immer kranken Menschen.

Die Gedanken sind frei...
zerreißen die Schranken
und Mauern entzwei.

Nach einem ganzen Leben mit Rheumasymptomen, Verformungen, zwei Immunsuppressiva, drei Biologicals, zwei Kortisontherapien, Orthesen und unzähligen homöopathischen und naturheilkundlichen Mitteln bin ich frei. Ohne alles. Weil es in mir Zeit war. Und weil es geht. Und obendrein sprechen meine Blutwerte ihre eigene untrügliche Sprache: keine Entzündungen. Alle Werte im Normalbereich.

Schon so viele Male habe ich probiert, die Medikamente abzusetzen, und bin immer “gescheitert”. Was war jetzt der Unterschied? Ich wollte nicht mit dem Kopf durch die Wand. Das Gefühl kam aus meinem Inneren und nicht vom Verstand. Es war kein “ich will das jetzt nicht mehr”, sondern ein “ich spüre, ich brauche das jetzt nicht mehr”. Wenn es so weit ist, wenn du dieses Gefühl hast, dann gelingt es! Gib dir Zeit und sei lieb zu dir.

Dass das Rheuma mein Lehrmeister ist habe ich auf einer gewissen Ebene schon längst erkannt und gespürt – doch in welchem Ausmaß und aus welchen Gründen… das wird mir erst jetzt im vollen Ausmaß und in seiner ganzen Schönheit bewusst. Ja, Schönheit. Diese Reise ist pure Schönheit. Diese Reise ist vollkommen neu und die schönste, die ich je antrat. Mein Kopf ist frei und mein Herz ist leicht. Schmerzen werden Botschafter, keine Anlässe zur Verzweiflung und zum Aufgeben... oder Kämpfen. Angst wird zu etwas, das ich liebevoll umarmen kann. Ich sehe, dass mit Geduld und Selbstfürsorge Symptome verschwinden. Ich sehe, dass ich heilen kann.

Ich habe schon so viel erreicht, so viel unvorstellbares Terrain betreten. Und dennoch stehe ich erst ganz am Anfang. Jeden Tag lerne ich mich besser kennen und mehr lieben. Tag für Tag wird mein Selbstbild weiter. Ich bin nicht länger Natascha, die eine chronische und unheilbare Krankheit hat. Ich bin einfach ICH.

Danke, euch allen. Danke, dass ihr mir durch euer Vorleben und eure Geschichten geholfen habt, den Mut aufzubringen mir selbst zu vertrauen. Aufzuräumen. Zu wachsen. Und vollkommen zu leben, ohne Kompromisse. Diese Zeilen sind für eure dunkelsten Stunden. Wenn ihr zweifelt, glaubt umso mehr an euch.

Alles. Ist. Möglich.