Gefühlswelten

27.6.2018
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Es ist immer wieder lustig, wie schwer, ernst und verbissen ich das Leben manchmal nehme... ernsthaft! Ich kann Aussagen extrem persönlich auffassen, mich in negative Gefühle hineinsteigern und all das ist Gift für mein Rheuma.

Momentan bin ich emotional stark gefordert, es prasselt sehr viel auf mich ein und vieles davon bringt mich an die Grenzen meiner Ausgeglichenheit, mein Geduldsfaden ist zum Zerreißen gespannt. Ich fühle mich wie ein Alien in dieser Welt, kann nicht verstehen, warum meine Mitmenschen so völlig anders reagieren, wie ich es in der Situation tun würde. Ich erwarte, liebe- und verständnisvoll behandelt zu werden - wie man in den Wald hineinschreit, so schallt es heraus, nicht wahr? Doch genau die Erwartung ist es, die mich oft enttäuscht zurücklässt. Dabei weiß ich es doch besser, schließlich schreibe ich das über mich auf dieser Website. Und da ist es wieder: ich bin zu streng mit mir, ungnädig. Denn wie ihr von meinen Outtakes wisst, bin ich einfach ein Mensch, keine little Miss perfect und kein Roboter, zum Glück!

Ich vertrete Meinungen, die viele meiner Mitmenschen nicht nachvollziehen können. Ich “ecke an”, das weiß ich und es ist in Ordnung so, denn diesen Weg habe ich aus freien Stücken gewählt. Es ist mir bewusst, dass nicht alle so denken und jeder seinen Lebensweg in seinem eigenen Tempo und auf seinen eigenen Pfaden geht. Doch konkret konfrontiert mit Unverständnis, Ablehnung oder blanker Wut werde ich selbst oft wütend, ungerecht und zornig. Dann möchte ich am Liebsten gar nichts mehr mit Menschen zu tun haben, mich in mich selbst zurückziehen, “mein Ding durchziehen”, scheiß auf den Rest! Mit meinem beleidigten, angekratzten Ego in meinem Schneckenhaus fühle ich mich allein (gelassen), und irgendwann, wenn ich mich genug bemitleidet habe, plagt mich das schlechte Gewissen - denn so möchte ich nicht sein. So tut es mir nicht gut, es vergiftet meinen Körper und lässt Schmerzen entstehen (oh ja!).

Versteht mich nicht falsch: mein Ziel ist keineswegs, emotionslos durchs Leben zu gehen und alles an mir abprallen zu lassen, unnahbar zu werden für die Welt. Ich will alles erleben - will mich austoben, lernen, hinfallen und wieder aufstehen, vergessen und mich wieder erinnern, lieben, hassen, leiden, spüren, dass ich den falschen Weg gehe, umkehren, Spaß haben, frei sein. Ich möchte offen bleiben für das Leben in all seinen Facetten, für alle Menschen, auch wenn wir unterschiedliche Wege gehen. Verstrickt in die kleinen Dramen des Lebens vergesse ich, dass alles ein großes Spiel ist. Dass wir hier sind, um uns zu entfalten, einander und uns selbst zu finden und dafür zu leben, was wir für richtig halten.

Alles hat seine Zeit, seinen Platz und seinen Sinn. Alles hat seine Daseinsberechtigung. Es tut gut, so zu denken. Spürt ihr es? Wie leicht es euch plötzlich um's Herz wird? Genau der richtige Zeitpunkt, für mich und für euch ein paar aufbauende Gedanken festzuhalten, die wir immer wieder lesen können, wenn uns der Weitblick verloren geht.

1. Ist das, was gerade passiert, in fünf Jahren auch noch wichtig?
Ein Satz, der einen rasch aus dem Drama herausholt. Die meisten Alltagserlebnisse, die nerven, ärgern und einen aus dem Gleichgewicht bringen, sind für unser Leben völlig belanglos. Es lohnt sich nicht, sie festzuhalten - loslassen.

2. Jeder ist für seine Gefühle selbst verantwortlich.
Nie kann etwas persönlich gemeint sein, das du nicht persönlich nimmst. Ich muss mir selbst im Spiegel in die Augen schauen können - wie mein Mitmensch mit seinen Gefühlen umgeht, seiner Reaktion auf mich und meine Aussagen, ist nicht in meiner Verantwortung.
   
3. Was genau stört mich in dieser Situation und was hat das mit mir zu tun?
Wir sind emotionale, empathische Wesen und haben die Fähigkeit, uns in andere hineinzuversetzen. So erkennen wir oft Eigenschaften im Gegenüber wieder, die wir selbst haben und an uns nicht leiden können. Oder spielt sich vielleicht gerade ein ganz eigener Film in unserem Kopf ab, der gar nichts mit den Fakten zu tun hat? Spüre nach, warum du fühlst, was du fühlst, und entwirre das Chaos.
   
4. Was ich lernen will, kommt immer wieder.
Ich glaube daran, dass unsere Seele (Unterbewusstsein, inneres Ich - ganz wie du es nennen magst) in diesem Leben Erfahrungen sammeln und lernen, bzw. sich wieder erinnern will. Darum wiederholen sich Ereignisse solange, bis die Seele mit dem Erlernten zufrieden ist. Fühl dich also nicht Situationen “ausgesetzt” und hilflos in sie hineingeworfen. Sie sind aus einem bestimmten Grund so, wie sie sind.
   
5. Jeder tut in jeder Situation das Beste, was er kann.
Manchmal können wir nicht anders, als in Abwehrhaltung zu gehen und unser Gegenüber anzugreifen. Dafür gibt es viele Gründe: wir sind nicht ausgeschlafen, haben Schmerzen, sind mit den Gedanken woanders oder, ganz einfach, wir denken nicht so wie unser Mitmensch, unsere Ausgangslage und persönliche Prägung ist eine völlig andere. Dann ist die Reaktion, die wir erhalten, die Beste, die in dieser Situation möglich ist - und (siehe 1.) wir selbst sind dafür verantwortlich, wie wir darauf reagieren.

6. Was würde die Liebe jetzt tun?
Oder auch, was würde Gandhi oder Jesus jetzt tun, je nachdem, woran du glaubst oder wer dein Vorbild ist. Wichtig ist nur, achtsam zu bleiben, ganz bei sich, die Situation aus der Vogelperspektive anzuschauen und sich zu fragen: wie kann ich reagieren, um Liebe zu schaffen, statt Hass oder Angst? Was könnte ich tun oder sagen, um die Wogen zu glätten, den anderen rauszuholen aus dem Negativstrudel. Dabei geht es nicht darum, alles mit sich machen zu lassen oder immer friedfertig nachzugeben. Mach deinen Standpunkt klar, grenze dich ab und sage, was du nicht möchtest. Nur tu es auf eine Art und Weise, die Freundschaft, Freundlichkeit und Versöhnung schafft. Wenn es dir nicht gelingt - entziehe dich der Situation, bevor sie eskaliert. Manchmal ist weggehen und es auf sich beruhen lassen das Beste, was du tun kannst.