Gelenksteifigkeit

26.1.2018
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Es geht mir nicht besonders gut. In den letzten beiden Wochen habe ich so viele Schmerztabletten genommen wie das ganze letzte Jahr nicht. Fast zum Verrücktwerden - dieses Gefühl der Ohnmacht gegenüber meiner “Lätschigkeit” (schwäbisch für bleierne Antriebslosigkeit), der reißende Schmerz im Sprunggelenk, der mich zum Humpeln bringt, dass ich nachts mehrmals aufwache, weil meine Halswirbelsäule sticht und vor allem meine so seltsam steifen Gelenke. Gerade diese ausgeprägte Gelenksteifigkeit habe ich in dieser Intensität noch nie erlebt.

Morgens, natürlich, das kenne ich - da dauert es, bis ich “auf Touren” bin. Anhand der Morgensteifigkeit messen Rheumatologen die Aktivität der Krankheit, und ich war immer sehr glücklich, wenn ich auf dem obligatorischen Fragebogen vor der Sprechstunde mein Kreuzchen bei “keine” oder “15 Minuten” machen konnte. Bei mir tragen auch bestimmte Nahrungsmittel und Getränke zur Morgensteifigkeit bei. Nach dem Genuß von Rotwein mit zu vielen Sulfiten sind am nächsten Tag dicke Finger vorprogrammiert, ebenso bei überreichlich zuckerhaltigen Speisen. Beides kann mich abends aber nur selten in Versuchung führen, da ich weiß, dass ich das am nächsten Tag bitter büssen muss.

Tja, wenn es wenigstens nur morgens so schlimm wäre. Damit könnte ich umgehen. Morgens bin ich ohnehin sehr behutsam mit mir. Ich gehe die Dinge langsam an und bewege mich vorsichtig. Kaltes Wasser aus dem Hahn vertreibt schon die erste Unbeweglichkeit und je mehr Zeit verstreicht, wenn der Kaffee wirkt und ich zum Wachwerden gemütlich die ersten E-Mails bearbeitet habe, desto leichter wird es. Später hilft Brennnesseltee beim “Ausschwemmen” überschüssiger Flüssigkeit, die sich in den Gelenken anstaut, oder ein Linsenbad aus dem Kühlschrank für Fingerübungen in der Mittagspause.

Doch momentan sind es nicht nur meine Finger. Momentan fühle ich mich am ganzen Körper wie in einer Ritterrüstung. Und nichts hilft wirklich. Ich achte nun besonders auf meine Ernährung, kühle und bandagiere meine Gelenke, bewege mich (zwar nicht genug, weil es weh tut und mühselig ist, aber ich tue was) und schlafe genug (wenn auch nicht durch). Das bringt mich nur nicht wirklich voran, vertreibt die Beschwerden nicht. So greife ich zu Schmerztabletten, was kein Dauerzustand ist. Ich kann mir nicht erklären, woher das alles kommt. Und eine Erklärung brauche ich, um zu wissen, was ich dagegen tun soll. Es kann alles Mögliche sein:

Das abgesetzte Leflunomid?
Naheliegend. Vielleicht spüre ich auch jetzt, da ich Leflunomid nicht mehr einnehme, meinen Körper anders.

Die Nachwirkungen meiner Impfung am 5. Januar?
Mehr dazu in einem späteren Beitrag - die Impfung hatte ich super vertragen, doch wer weiß, was noch kommt.

Ein Infekt?
Irgendetwas, das in mir schlummert und nicht richtig rauskommt, da das Humira die Immunreaktion verzögert.

Die Belastungen der letzten Woche?
So schön das geschäftliche Verreisen ist, für meinen Körper ist es manchmal der pure Stress.

Das Wetter?
Die Hormone?
Ein zuviel oder zuwenig an Nährstoffen?
Alles zusammen?
Oder etwas ganz anderes?

Vielleicht sind meine Beschwerden auch gar nichts Bösartiges. Nicht unbedingt zerstörerische Vorgänge, wie Entzündungen. Vielleicht ist es jetzt einfach so, nach 32 Jahren Rheuma - und so fühlt sich mein Körper nun an. Das hätte auch etwas Befreiendes.

Wie ihr seht, sehr viele “Vielleichts”.

Daher gehe ich nächsten Dienstag zur Blutuntersuchung und lasse nachschauen, damit aus dem “vielleicht” ein “das ist es” wird. Wenn die Entzündungswerte hoch sind, habe ich einen neuen Schub. Und sollte dem so sein, dann werde ich ihm genauso kämpferisch und mit Sturheit ins Auge blicken, wie ich das immer getan habe. Apropos Auge: auf dem linken Auge sehe ich leider wieder schlechter... das hatte ich oben ganz vergessen zu erwähnen. Ist die Uveitis zurück? Das wird in einem Monat mein Augenarzt hoffentlich herausfinden. Also ja, echt großartig, mein derzeitiger Gesamtzustand. Und wirklich fast schon zum Lachen, so sehr bemitleide ich mich gerade! (-:


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