Hilfsmittel

31.3.2018

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Nachdem ich gestern den kleinen Artikel über unsere Gelenkschutzschulung hochgeladen habe liegt es nahe, euch auch etwas über (meine) Alltagshelferlein zu erzählen. Sie bewahren mich vor Fehlbelastung und Schmerzen – und sind sogar für Nicht-Rheumis praktisch! Früher habe ich ganz anders darüber gedacht, heute schäme mich nicht mehr dafür, dass ich Hilfsmittel benutze. Im Gegenteil: ich bin stolz darauf, dass ich mit ihrer Hilfe selbstständiger bleibe.

Schmuck
Meine Lieblingskette ist ein Omega-Ring mit einem Steckverschluss. Diesen kann ich alleine öffnen, indem ich nur ganz leicht mit dem Daumen auf die Lasche am Verschluss drücken muss. Zum Schließen genügt ein Ineinander-Schieben der Stecker mit leichtem Druck. Noch einfacher geht es mit einem Magnetverschluss, den man in jeden normalen Karabiner-Kettenverschluss einsetzen kann: der Karabiner des Magnetverschlusses wird in die Öse der Kette eingesetzt, in den Karabiner der Kette kommt die Öse des Magnetverschlusses – und schon lässt sich die Kette durch Auseinanderziehen der Magnete öffnen und das nervige, oft schmerzhafte Gefummel an den winzigen Karabinern entfällt! Geht selbstverständlich auch mit Armbändern oder Fußkettchen (-: Solche Magnetverschlüsse zum Selbsteinsetzen gibt's ganz günstig. Oder ihr lasst euch beim Juwelier eures Vertrauens beraten. Sie können euch euren Schmuck Rheumafinger-gerecht umarbeiten.

Flaschen, Gläser und Dosen öffnen
Ich sehe das sehr oft bei Gläsern mit Schraubdeckel: die Menschen wollen Stärke demonstrieren, schlagen sie mit der flachen Hand auf das Einmachglas und versuchen so zu erreichen, dass die Luft unter dem Deckel entweicht und sich das Glas leichter öffnen lässt. Oder sie verkrampfen und verdrehen ihre Finger solange, bis der Deckel nachgibt. Diese und ähnliche Gewaltakte lasst ihr bitte schön bleiben! Eure empfindlichen Hände wollen möglichst geschont und nicht gequält werden. Um Flaschen, Gläser und Konservendosen zu öffnen gibt es super Helferlein wie den Sunny und den Küchenhai (beides oben abgebildet von Tupperware). Sunny passt auf jeden üblichen Plastikdeckel. Wer es mit Metalldeckeln zu tun hat, wie sie beispielsweise auf Glasflaschen sitzen, kann sich mit speziellen “Kappen” aus Silikon behelfen. Sie werden auf den Deckel gestülpt und erhöhen so den Gripp – weniger Kraft, weniger Schmerz, schnellere Ergebnisse. Der Küchenhai kann nicht nur das Vakuum aus dem Schraubglas entweichen lassen, sodass man es nachher leichter aufbekommt. Er ist auch ein Kronkorken-Aufhebler und Konservendosen-Laschenzieher! Bei all diesen Tätigkeiten legt ihr zusätzlich noch eine rutschfeste Matte unter die Dose oder das Glas – so braucht ihr nochmals weniger Kraft, weil ihr den Gegenstand nicht festhalten müsst. Ein ganz normales Küchen-Schwammtuch erfüllt den gleichen Zweck. Einfach und sehr effektiv!

Schneiden und Essen

Es gibt Scheren mit ergonomischen Griffen, die empfindliche Daumengrundgelenke nicht eindrücken und leicht zu bedienen sind. Für ein solches Design wurde meine Lieblingsschere von Fiskars mit dem “Ease of use”-Label der Arthritis Foundation ausgezeichnet. Wer sehr müde Hände und nur noch wenig Kraft hat kann sich mit einer selbstöffnenden Schere behelfen. Ähnliche Konzepte gibt es auch für Zangen und sogar Nagelscheren. Um Brot zu schneiden nutze ich ein Messer, das den Griff in 90°-Winkel nach oben gebogen hat. So arbeitet meine Hand achsengerechnet und ich muss weniger Druck aufwenden. Beim Besteck achte ich darauf, dass es für meine Finger angenehm und nicht zu schwer ist. Geht es meinen Händen einmal ganz schlecht, pfeife ich auf die Etikette und umgreife Löffel und Gabel von oben mit der ganzen Hand – so, wie die Kinder essen. Die Kleinen machen es intuitiv schon richtig und wir gewöhnen es ihnen ab, weil es sich nicht schickt. Wie dumm der Mensch doch manchmal is(s)t! Schließlich soll ein feines Mahl ein Genuss und keine Qual sein. Genau wie für die Stifte gibt es auch Griffverdickungen für das Besteck bzw. gebogenes Spezialbesteck. Einfach mal im Sanitätshaus stöbern, Neues entdecken und dabei Berührungsängste abbauen – es lohnt sich.

Schreiben und PC-Arbeit
Obwohl allgemein die dicken Stifte mit einer Gummierung für besseren Halt als rheumagerecht gelten, kann ich mit dünnen Stiften tatsächlich leichter schreiben – das muss einfach jede(r) für sich ausprobieren. Schmale Bleistifte oder Fineliner lassen sich mit Griffverdickungen für Erstklässler so umbauen, dass man sie einfacher festhalten kann. Tintenroller gleiten besser über das Blatt und man braucht weniger Kraft. Für die Arbeit am PC gibt es inzwischen zum Glück ein mannigfaltiges Angebot an ergonomischen Produkten. Allein die Auswahl an Spezialmäusen... mit und ohne Trackball, mit Trackball für den Daumen oder den Zeigefinger, wireless oder mit Kabel und als i-Tüpfelchen das Mousepad mit einem Polster für das Handgelenk. Da sind der Fantasie und den persönlichen Bedürfnissen keine Grenzen gesetzt. Ich selbst arbeite mit drei unterschiedlichen Mäusen, je nach Zustand meiner Finger und Handgelenke. Früher habe ich auch eine gebogene Tastatur verwendet. Seit ich meine Daumenschiene für links und meine Funktionsschiene für rechts habe komme ich aber mit einer flachen, geraden Tastatur besser klar. Davor lege ich ein kleines, zusammengerolles Handtuch, auf dem ich meine Handgelenke abstützen kann. Ein bisschen Wellness im Arbeitsalltag (-:

Putzen, Staubwischen & Co.
Ja, die liebe Hausarbeit. Sie ist ja schon grundsätzlich meistens nervig, und dann kommt auch noch das Rheuma dazu... wobei ich zugeben muss, dass ich die monotonen Bewegungen inzwischen als extrem meditativ empfinde. Ich kann dabei herrlich meinen Kopf ausschalten! So oder so kann man sich sich die lästigen Pflichten angenehmer gestalten. Es gibt Putzlappen, die sich nicht so sehr mit Wasser vollsaugen bei gleichbleibender guter Putzleistung – damit braucht man weniger Kraft beim ausdrücken. Spezielle Bodenwischsystemen ermöglichen die Bedienung mit dem Fuß. Der Lappen am Wischer wird in eine Vorrichtung gesteckt, die an eine Salatschleuder erinnert, und dann per Fußpedal ausgewrungen kann. Apropos Salatschleuder: damit kann man auch die oben erwähnten Putzlappen noch leichter vom Wasser befreien. Eure Ergotherapiepraxis haben da bestimmt noch viele andere gute Ideen! Der wichtigste Tipp von mir: es muss nicht immer alles “wie geschleckt” sein. Schließlich lebe ich in einer Wohnung und nicht in einem Museum. Und: verteilt die Arbeit in kleine Einheiten von 1-2 Zimmern auf mehrere Tage und verausgabt euch nicht an einem festgelegten Putztag. Achtet auf euren Energiehaushalt – wenn an diesem Tag nicht geht, obwohl ihr es euch vorgenommen habt, dann geht es halt nicht. Davon geht die Welt nicht unter.

Dies ist nun meine bescheidene Auswahl an Helferlein, die ich momentan brauche und verwende. Das Sortiment wird sich in den nächsten Jahren sicher noch erweitern. Weitere Anregungen findet ihr hier bei der Rheuma Liga. Welche Hilfsmittel erleichtern euren Alltag? Ich bin neugierig – lasst es mich wissen!


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