Humira

8.3.2017

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Da ist eine Angst, die mich begleitet und wahrscheinlich nie ganz verschwinden wird: die Furcht davor, dass meine Medikamente, die mir all die Schmerzen ersparen, eines Tages nicht mehr wirken. Trotz aller Zuversicht, mit der ich durch's Leben gehe.

Nachdem ich mich seit Sommer 2016 mit einem geschwollenen Sprunggelenk herumschlage und an meinem linken Auge nun eine Uveitis diagnostiziert wurde (d.h. kein Loch in der Netzhaut und keine Operation! Mehr dazu in einem separaten Beitrag) musste ich mir schweren Herzens eingestehen, dass das Enbrel die Schübe nicht mehr zurückhalten kann. Ich trenne mich schweren Herzens von meinem ersten Biological, hatten wir doch über 2,5 Jahre lang eine gut funktionierende und sehr stressfreie Beziehung ohne unerwünschte Nebenwirkungen. Nun ist sie also vorbei.

Ich habe lange gekämpft und es nicht wahrhaben wollen. Habe mir eingeredet, die Probleme an Auge und Fuß kämen ganz bestimmt von den Lebensumstellungen im letzten Jahr und “gehen schon wieder weg”. Ich war leichtsinnig und habe mit meiner Gesundheit gespielt, hoch gepokert, und seit die Uveitis Fakt ist muss ich mir die Niederlage eingestehen. So fühlt es sich an, wenn ein Medikament plötzlich seine Wirkung verliert: wie eine persönliche Niederlage. Als könnte ich tatsächlich etwas dafür. So zu denken ist weder wahr noch gesund, und früher oder später verschwinden diese Gedanken nach ein paar Tagen von selbst.

Denn es ist noch einmal gut gegangen und ich blicke positiv nach vorn. Der Schub, den ich jetzt habe, hat noch keinen irreparablen Schaden angerichtet. Es ist wohl hauptsächlich die Angst vor dem Unbekannten, die die Zweifel und Sorgen hervorbringt. Wie wird es mir gehen mit dem neuen Medikament? Welche Nebenwirkungen kann ich zu erwarten? Wird mein Schmerzlevel gleich niedrig sein? Wird es den Schub besiegen? Dabei übersieht man leicht, dass es auch noch besser werden kann - eine längere Remission, seltenere Schübe, weniger Schmerzen.

Die nächsten Wochen werden zeigen, wie gut Humira und ich miteinander auskommen. Eine erste Belastungsprobe haben wir schon einmal geschafft: die allererste Injektion am vorletzten Sonntag. Biologicals wie meine TNF-alpha-Blocker werden unter die Haut an Oberarm, Oberschenkel oder Bauch gespritzt. Das kann man gut zu Hause machen und man bekommt wirklich schnell Routine darin. Meine Rheumatologin hatte leider keine Fertigspritzen mehr da, also gab sie mir zwei vorbefüllte Pens mit. Was habe ich geschrien... ich hasse, hasse, hasse Pens! Die sind gemein und tun weh. Es ist kein Trost, dass der Wirkstoff im Vergleich zur Fertigspritze schneller injiziert wird - wenn das Folterinstrument die Nadel mit einer derartigen Wucht unter die Haut katapultiert, dass noch eine Stunde später die Druckstelle der Schutzhülse als roter Ring auf dem Oberschenkel prangt. Einmal muss ich noch durch, ein Pen liegt noch im Kühlschrank für kommenden Sonntag. Ich werde all mein sisu zusammennehmen. This too shall pass. Und mit dem nächsten Rezept bestelle ich Fertigspritzen.

Morgen ist die erste Blutuntersuchung. Ich fühle mich gut und zuversichtlich, mein Sprunggelenk beginnt schon leicht abzuschwellen und das macht mir große Hoffnung. Mein Kopf ist klar, und die Schmerzen, die ich aktuell habe, sind wetterbedingt. Ganz langsam und vorsichtig gewöhne ich mich an den Gedanken, dass mit Humira alles gut gehen wird. Man muss also doch immer offen bleiben für Neues, nicht?


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