Kortison-Depression

3. April 2019
Nach 15 Wochen des unermüdlichen Kämpfens um meine Fassung und meine Gesundheit, nach all dem Starksein und Durchhalten und Positiv-bleiben ziehe ich Bilanz und gestehe mir ein: ich bin erschöpft - und darf es sein. Auch für eine Rheuma-Superwoman kommt einmal der Punkt, da mag sie nicht mehr. Auch, wenn sich das Zähnezusammenbeißen gelohnt hat: es hat unbestreitbar sehr viel Kraft gekostet.

Immer, wenn sich nach solchen intensiven Phasen dieses Gefühl des “es reicht” einstellt, weiß ich, ich brauche Zeit für mich, um wieder zu mir zu finden. Innehalten, verdauen, den Ereignissen Raum geben, sie betrachten, einsortieren - und dann hinter mir lassen. Damit das Leben unbeschwerter weitergehen kann.

13. April 2019
Ja! Es ist, wie es ist, und es kommt, wie es kommt. Das darf auch ich alte Rheumahäsin immer wieder von Neuem lernen und ich bin sehr dankbar, wenn ich durch so manches Tal der Tränen mich selbst wiederfinde. Ganz aktuell mit der Kortisontherapie, vor einem Jahr mit meinen Medikamenten allgemein.

Es ist, wie es ist. Zu wissen, dass der Prozess gut ist, egal wie schmerzhaft er in einzelnen Momenten erscheint, ist heilsam und des “reassuring” (ich liebe dieses Wort und es gibt in der deutschen Sprache nichts, was die Bedeutung wirklich eins zu eins wiedergeben kann).

Es ist, wie es ist. Einfache Worte, die uns vom Kämpfen mit dem Leben bewahren. Vom Grübeln und vom Zweifeln abhalten. Die Dinge wieder ins rechte Licht rücken.

Es ist, wie es ist. So lässt sich vieles meistern, was unerträglich erscheint – mit Gleichmut und Vertrauen in das Gute.

17. April 2019
Ich lebe ein glückliches Leben mit zwei fast unsichtbaren Krankheiten, doch kämpfe ich derzeit gegen eine tiefe innere Düsternis und eine zwar eingebildete, jedoch nichtsdestoweniger schmerzhafte Drangsal des Lebens. Da ist sie, meine Kortison-Depression.

Sie ist real, ich kann sie nicht länger verdrängen, und doch gibt es keine “äußerliche” Lösung dafür: ich darf das Decortin nicht absetzen und ich werde keine Stimmungsaufheller nehmen. Es bleibt nur, mit diesem Dämon leben zu lernen. Einmal mehr meine mentalen Kräfte zu bündeln und die Chance zu nutzen, einmal mehr stärker zu werden als zuvor.

(Diesen Beitrag habe ich aus drei unterschiedlichen Instagram- und Facebook-Beiträgen zusammengesetzt, damit ihr meine Zeilen auch hier lesen und nachverfolgen könnt.)