Kortison-Tagebuch

Unglaubliche Nachrichten vom Augenarzt: das Decortin H ist seine Mühen und Strapazen wert, es wirkt und ich habe bereits wieder eine Sehkraft von 70% auf dem erkrankten Auge erlangt! Ich bin völlig aus dem Häuschen und kann es noch gar nicht richtig begreifen... Scheinbar ist es nicht selbstverständlich, dass ich auf die systemische Therapie angesprochen habe, nicht jedes Makulaödem reagiert darauf und vor allem so rasch. Es ist so großartig, so schön - ich bin hin und weg und so dankbar und ein Glückskind!

Nun darf ich das Kortison weiterhin brav und schrittweise reduzieren. Wo ich jetzt schon so wohlbehalten bei 25 mg angekommen bin geht es ab Samstag weiter talwärts auf 20 mg, dann in 2,5 mg-Schritten in die Zielgerade, bis ich im März bei meiner vorläufigen Erhaltungsdosis von 5 mg angekommen sein werde. Meine Rheumatologin hat mir zudem für einmal die nächste Simponi-Dosis auf 100 mg erhöht, statt 50 mg wie bisher; ich spritze nächstes Mal am 10. Februar und das sollte dem Ganzen auch nochmals einen “positiven Schubser” geben. Ja, bei Rheuma gibt's auch sowas wie gute Schübe! (-:

Ich fühle mich nach fast vier Wochen immer noch unbeschreiblich viel besser, als ich mir anfangs ausgemalt hatte. Mea culpa, ich habe dem Medikament Unrecht getan. Es zeigt sich einmal mehr: alles hat eine zweite Chance verdient.

Inzwischen sind die andauernden Hungergefühle verschwunden und ich wiege 1½ Kilo weniger, ich trau ich es mich kaum auszusprechen... Ich habe keinen “Flattermann” mehr in meiner Brust und bin ruhiger, weniger getrieben. Wehe, wenn mich dann aber doch etwas nervt, dann gerate ich in einen fuchsteufelswilden Rausch. Und sitze hinterher am Tisch, halte mich an der Kante fest und rede der cortisolgesteuerten HB-Männchen-Natascha in mir gut zu, bis sie sich wieder beruhigt hat; die Nerven sind schon etwas dünner geworden, wie meine ganze Haut, und meine Wunden verheilen extrem lange - “schlechtes Heilfleisch” hatte ich aber schon von klein auf. Immerhin sprechen die Pickelchen super auf medizinische Zinksalbe an, damit krieg ich sie klein. Mein Zahnfleisch spannt und ist leicht entzündet, dagegen helfen mir Meridol Zahncreme und Mundwasser sehr gut. Weder die Zinksalbe (Wollwachs, Lanolin) noch das Meridol (Aminfluorid, tierischen Ursprungs und an Tieren getestet) ist vegan. Doch hier geht es um eine Veränderung meiner Bedürfnisse, auf die ich eingehen muss und will - damit ich mich so wohl wie möglich fühle und sämtliche Kräfte für meine Genesung wecken und bündeln kann. Einmal mehr müssen meine anderen Prinzipien hinten anstehen, wenn andere Baustellen wichtiger werden. Das hält wach und beschützt mich vor Verbohrtheit und Dogmatismus (→ Blogbeitrag über Tierversuche).

Mit den gereizten Schleimhäuten kamen auch kurz nach meinem ersten Kortison-Tagebuch Beitrag die Verdauungsprobleme, knapp vor der Gastritis... und meine liebe und besorgte Mama schickte mich schnurstracks einen Magenschutz holen: Pantoprazol 20 mg, eine Tablette täglich ca. 30 Minuten vor dem Abendessen. Die erste Packung habe ich noch aus dem eigenen Portemonnaie bezahlt, gestern hat mir meine Rheumatologin dann auf meine Bitte hin ein Rezept ausgestellt. Wer meint, ein Magenschutz sei bei einer systemischen Kortisontherapie so oder so dabei, irrt leider. Herr oder Frau Arzt wartet leider aus Budgetgründen erst einmal ab, was passiert. Seid hiermit vorgewarnt und handelt bitte rechtzeitig!

Meine Gelenke lieben das Kortison übrigens heiß und innig - die feiern schon seit der ersten Woche eine Dauerparty. Mein rechtes Sprunggelenk (das mit der OSG-TEP und dem verheilten Rheumaknoten), meine Finger und Handgelenke sind so abgeschwollen und schmal wie lange nicht mehr. Und nach all den guten Nachrichten geh' auch ich nun innerlich ein rauschendes Fest feiern! Ja, das Leben ist schön.