Medizin

In diese starke Reihe aus medikamentenfrei und Medikamente absetzen möchte ich nun gerne noch das Thema Medizin einbringen – die passende Ergänzung und vielleicht auch ein Abschluss, der alles thematisch umarmt (-:

Medikamente und Medizin… ein Dickicht, ein Dschungel und ein RIESENthema! Ich habe da meine Erfahrungen in so gut wie allen Bereichen gemacht und kann für jeden Menschen an unterschiedlichen Punkten aus meiner eigenen Geschichte etwas beitragen (→ die Details findet ihr in meiner Vita). Somit weiß ich auch, dass jeder Mensch in seinem Tempo und mit seinen Methoden die Symptome behandelt und heilt. Ich halte weder das eine für gut noch das andere für schlecht, finde weder den einen Weg besser noch den anderen schädlich. Ich hab' alles mitgemacht (been there, done that) und es war alles richtig zu seiner Zeit. Darum plädiere ich nur für dieses eine: Dass jeder in sich hineinspürt und sich ernsthaft fragt, was brauche ich gerade?

Und ja, das kann auch heißen ein starkes Medikament zu nehmen, weil man gerade nicht die Kraft hat tiefer zu gehen, weil man funktionieren muss oder will – und auch das ist völlig in Ordnung! Ich schließe auch grundsätzlich nichts aus, was mit mir passiert. Sollte ich eines Tages spüren, dass ich wieder Medikamente brauche – then be it. Wichtig ist bei all dem, sich nicht auf einen Weg zu versteifen, nichts grundsätzlich zu verteufeln, eine gesunde Portion Menschenverstand und vor allem ein offenes Herz zu bewahren. Darum werden die folgenden Zeilen auch keine Verteufelung der Schulmedizin. Sie hat mir einen großen Dienst erwiesen, sie war ein sehr langer Begleiter meines Lebens. Das, was ihr hier lest, sind lediglich meine aktuellen Gedanken. Nichts weiter.

Es gab Zeiten, in denen ich nur der Schulmedizin vertraut und sie auch nicht hinterfragt habe. Lange habe ich es als Nachteil gesehen, dass ich erst so spät den Weg der klassischen Medizin gegangen bin, bzw. sogar als “gerade noch rechtzeitig”, um schlimmere Schübe und Verformungen zu verhindern. Dazu beigetragen haben sicher auch die Gewissensnöte meiner Eltern, ob sie mit mir früher zum Rheumatologen hätten gehen sollen und mir früher “Chemie” geben, ob es mir dann heute besser gehen würde. Was geschehen ist ist geschehen – und es war zu diesem Zeitpunkt das Beste was wir tun konnten. Irgendwann habe ich die Sicht auf meine Vergangenheit positiv gedreht und mir gesagt: Wer weiß, was mir alles erspart geblieben ist! Wer weiß, wie es meinen Organen gehen würde, wenn ich schon in meiner Kindheit Immunsuppressiva & Co. genommen hätte?

 Medizin = Heilung? 

Ich glaube, man muss unterscheiden zwischen kurz- und langfristiger Heilung, zwischen Reparaturmedizin und eigenverantwortlicher Medizin. Als ich vor nun bald 10 Jahren ohne Abwehrkräfte in Garmisch-Partenkirchen auf der Palliativstation lag gab es keine Frage darüber: wollen wir warten, ob sie das von selbst schafft? Nein, da wurde gehandelt und mein Leben gerettet – mit starken Medikamenten. Dafür werde ich der Schulmedizin bis ans Ende meiner Tage dankbar sein.

In weniger akuten Fällen dürfen wir uns aber doch die Zeit nehmen, in uns hineinhören und eben die Frage stellen: Was brauche ich gerade? Und weiter: Wie tief will ich gehen, wovor habe ich Angst, was ist mir wichtiger? Um so zu entscheiden, was jetzt gerade die beste Medizin und die beste Therapie für uns ist.

Die Schulmedizin behandelt die Symptome, aber nicht deren Entstehung. Sie hat keine Antworten darauf, woher die Symptome kommen. Autoimmun, idiopathisch – gegen sich selbst gerichtet mit unbekannter Ursache? Was soll man damit anfangen, wo gedanklich ansetzen? Die Medikamente, die uns zur Verfügung stehen, zögern die Reaktion der Entzündung hinaus, die Symptome werden überdeckt, die Schmerzen werden weniger, dein Leben wird leichter. Es geht dir besser und das lässt dich glauben, dass es dir gut geht – obwohl es deiner Seele, deinem Herzen, in Wahrheit nicht gut geht – sonst hättest du ja erst gar keine Symptome entwickelt (Kompass). Es wird einfach von außen ein Deckel draufgemacht.

Aber ist Schulmedizin damit quasi auch wirklich nicht nachhaltig?  Ja, es unterdrückt die Symptome und heilt damit im Grunde nicht – aber darunter liegt, was du daraus machst. Es gibt Menschen, die den Weg der Schulmedizin für sich wählen, damit bis an ihr Lebensende keine Schübe mehr haben und zufrieden sind, Unterdrückung und Deckel nicht weiter infrage stellen, ja sogar bewusst damit leben und es ist gut für sie. Ich war einer dieser Menschen, und ich dachte ja auch lange, das wäre mein Plan! Trotz diverser Krisen, als ein Medikament aus heiterem Himmel nicht mehr “angeschlagen” hat, rettete ich mich immer wieder in die nächste Therapie, und die nächste, und die nächste.

Die Schulmedizin kann sich noch nicht wirklich erklären, warum ein Medikament irgendwann an den sogenannten Sättigungspunkt kommt, pharmakologisch seine Wirkung verliert oder diese nachlässt. Wir denken vielleicht, unser Körper wehrt sich. Ich glaube heute, unsere Seele wehrt sich – es gehört einfach nicht mehr zu dem, was sich für uns gut anfühlt, und wir erschaffen Symptome, damit wir unser Verhalten verändern.

Ja, ich hatte es all die Jahre so schön für mich formuliert, dass “meine Medikamente mein Rheuma brav in Schach halten”, meinen Frieden damit gemacht. Ich habe das als die einzige Möglichkeit akzeptiert um meine Haut zu retten, state of the art quasi, denn ich hatte viel zu viel Angst vor neuen Schüben, neuen Schmerzen, schlimmeren Verformungen.

Und tja, dann gab es eben irgendwann den Moment im Sommer 2019, an dem die Stimme in mir sagte:  So kannst du nicht mehr weitermachen.  Trotz der Tatsache, dass ich die meiste Zeit über so positiv mit dem Rheuma umging und es für mich normal war Medikamente zu nehmen, und ich vielleicht auch genau deshalb all die Medikamente immer so gut vertrug, trotzdem habe ich gespürt: Das kann noch nicht alles sein – ich will doch wirkliche Heilung, nicht einfach nur ein “so gut es eben geht”. Da muss es doch noch mehr geben, und ich will meine eigenen Fesseln sprengen! Zum ersten Mal schlich sich der Gedanke in mein Bewusstsein, die glasklare radikale Erkenntnis, für immer auf Medikamente angewiesen zu sein – abhängig zu sein. Da beißt sich die Katze in den eigenen Schwanz: Der Gedanke, “das ganze Leben lang auf Medikamente angewiesen zu sein” hält dich in dem Glauben, dass du unfassbar krank bist. Du denkst, du bist SO krank, dass du es ohne Medikamente nicht hinbekommst, weshalb du dann wiederrum Medikamente nimmst, dich abhängig fühlst, und dich somit krank fühlst und so weiter und so weiter.

Plötzlich war alles anders, und meine Medikamente haben sich nicht mehr gut angefühlt. Um sie überhaupt absetzen zu können musste ich erst all diese Gedanken loslassen, ohne Netz und doppelten Boden ins Unbekannte springen. Meine Entwicklung, das Hinterfragen begann, die ersten zaghaften Schritte auf diesem neuen Weg. Ein Schritt vor, zwei Schritte zurück. Mein Lernprozess. Geholfen hat mir eines: das untrügliche Bauchgefühl, dass nun der richtige Zeitpunkt ist.

 Keine Wirkung entsteht ohne Ursache – das ist ein universelles Gesetz. 

Zu jedem Effekt, zu allem, was wir sehen können, gibt es einen Auslöser. Medizin hat einen Effekt auf dich, wirkt in dir – also bist du Auslöser und Ursache in einem. Medizin wirkt, weil du daran glaubst. Sei es aus dir selbst heraus oder weil du jemandem vertraust, der dir sagt, dass es wirkt – zum Beispiel deinem Rheumatologen. Ich glaube fest daran, dass etwas nur dann einen positiven Effekt auf dich hat, wenn es sich für dich auch gut anfühlt, und ich kann und will mir einfach nicht vorstellen, dass Substanzen in unserem Körper irgendetwas “von alleine” anrichten, ohne dass wir damit eine Erwartung verknüpfen. Ich weiß natürlich, dass klinische Studien genau das Gegenteil beweisen und in Doppelblindstudien den Placebo-Effekt ausschließen wollen. Doch wer weiß schon, ob nicht eine Ebene von uns trotzdem in Interaktion tritt… und ob wir uns dessen immer bewusst sind oder nicht bleibt wohl das große Geheimnis.

Außerhalb von Studien, im richtigen Leben und konfrontiert mit Entscheidungen, gehen wir definitiv damit bewusst in Interaktion und verbinden Erwartungen, Hoffnungen, Bedenken und Ängste mit jeder Entscheidung, die wir für unsere Gesundheit treffen. Meine These ist: Meine Medikamente wirken, weil ich daran glaube – und Nebenwirkungen entstehen, weil ich vor ihnen Angst habe. Medikamente wirken nicht mehr, weil ich Angst habe, dass sie ihre Wirkung verlieren. Alles ist eine sich selbst erfüllende Prophezeiung nach dem Gesetz der Anziehung. Gleiches zieht Gleiches an, what you resist persists. Die Ursache beginnt bei dir, deine innere Einstellung zu etwas, und die Wirkung sind die Veränderungen, die sich zeigen – dass es dir hilft, oder eben auch, dass es nichts bringt, dir nicht hilft oder sogar unerwünschte Wirkungen hat.

Du arbeitest an dir und mit dir und du findest das alles heraus, in deinem Tempo und auf deine Weise. Du brauchst niemandem blind folgen oder etwas, jemanden, imitieren. Bitte, du darfst absolut selbst denken und fühlen und Verantwortung übernehmen! Auch deinen Liebsten, auch deinem Therapeuten, und sogar deinem Rheumatologen gegenüber. Begib dich nicht selbst in die Opferrolle, und gib die Verantwortung nicht ab, für dich Entscheidungen zu treffen. Nur du weißt, was du fühlst. Nur du allein kannst in deinen Körper und in dein Herz hineinspüren, und nur du allein kannst seine Stimme hören. Das ist Intuition – das ist das Bauchgefühl, deine innere Weisheit, die dir den Weg weist. Egal, was irgendjemand sagt: Gehe deinen Weg. Mutig, und erhobenen Hauptes, und sei dein eigener Arzt.

 So, und was ist Medizin dann eigentlich? 
Für mich ist Medizin alles, was eine Wirkung auf dich hat und deinen gesundheitlichen Zustand beeinflusst – wünschenswerterweise im positiven Sinnen!

Ich glaube, dass am Ende des Tages unser Gesund- oder Gesünderwerden immer ein Ausdruck von Selbstheilung ist – nur eben über diverse “Mittel zum Zweck”. Ob Naturheilkunde, Ernährungsumstellung, Sport und Bewegung, Heilsteine, Homöopathie, Mikronährstoffe, Meditation, Energieheilung oder Schulmedizin – das alles sind Transmitter, das alles unterstützt dich und wir brauchen diese Anker, brauchen etwas, an dem wir uns festhalten können. Etwas, das wir sehen können, woran wir glauben können. Es ist eine Entwicklung und das ist auch vollkommen in Ordnung so. Doch am Ende ist es dein Glaube an die Wirkung, der deine eigenen Selbstheilungskräfte aktiviert, die dich gesünder und gesund werden lassen. Du bist der Schöpfer deiner Realität. Der Glaube in uns, an unsere Kraft, oder an etwas das stärker ist als wir selbst, versetzt wahrlich Berge.

Was ihr von mir erfahrt war mein Weg, den ich gerne ging. Ich bin weder ein Vorbild noch ein schlechtes Beispiel. Es ist weder richtig noch falsch, dass ich früher beim Heilpraktiker war und lange keine klassische Rheumatherapie bekam. Es ist weder richtig noch falsch, dass ich später doch zu Immunsuppressiva und Biologicals griff. Und es ist weder richtig noch falsch, dass ich es heute ohne Hilfsmittel versuche. Es spielt also absolut keine Rolle wer Recht hat und was der richtige Weg ist – es spielt nur eine Rolle, woran du glaubst, dass es dir hilft – denn das, was wir für uns positiv belegen, wirkt!

Ich empfehle euch keinen Weg außer dem eures Herzens.  


PS: Lest nun bitte den gesamten Artikel nochmals und tauscht das grüne Wort Schulmedizin durch das Wort Ernährungsmedizin, Homöopathie oder Naturheilkunde aus, und das türkise Wort Medikament(e) durch das Wort spezielles Lebensmittel, Globuli oder pflanzlicher Wirkstoff – und staunt, was passiert!