Mein Warum

Morgen ist Weltrheumatag, und dazu habe ich letztes Jahr folgenden Spruch beigetragen: “Unsichtbar. Wenn du eine Krankheit nicht sehen kannst, tut sie trotzdem weh?” Was geht dir heute durch den Kopf, wenn du das hörst? Oder wenn du dir durchliest, wie ich am 1.3.2017 die Home-Page von rheumatopia und das über-mich gestaltet hab'?

1.3.2017: Mein glückliches Leben mit einer fast unsichtbaren Krankheit.
Herzlich willkommen in “
rheumatopia”. Das ist mein Zufluchtsort, friedlich und kraftvoll wie eine finnische Winterlandschaft, und die Vision eines erfüllten Lebens mit den chronischen, unheilbaren Autoimmunerkrankungen juvenile idiopathische Arthritis und Uveitis intermedia. Hier ist das Rheuma ein akzeptierter lebenslanger Begleiter und ein großartiger Lehrmeister.

Es bringt mir bei, immer für das Positive zu kämpfen, mich von nichts unterkriegen zu lassen und mit Liebe, Rücksicht und Achtsamkeit zu größtmöglicher seelischer und körperlicher Gesundheit zu finden.

So habe ich rheumatopia auf die zwei Grundpfeiler → sisu und seva gestellt, die mein Lebensmotto sind. seva bedeutet, das Leben voller Dankbarkeit und im Dienst für unsere Mitgeschöpfe zu leben. sisu ist die Fähigkeit, nie aufzugeben und stets wieder aufzustehen ein Problem ist erst dann ein Problem, wenn es keine Lösung mehr gibt. Die Kraft dafür schöpfe ich nicht zuletzt aus meiner Krankheit selbst.

Die Gestaltung dieser Seite ist Hobby, Therapie und Vermächtnis in einem. Ich möchte Spuren hinterlassen und ein Bewusstsein schaffen dafür, dass Rheuma viele Gesichter hat, kein Alter kennt und mehr ist als nur ein Zwicken in den Knochen. Auf meinem → Blog verarbeite ich meine Erlebnisse und lasse sie durch das Schreiben zu kleinen Mutmachern werden. Denn Schmerz bedeutet nicht immer Leid(en).

1.3.2017: Über mich
Ich heiße Natascha, bin 1985 als Einzelkind geboren und habe die chronische Autoimmunerkrankung juvenile idiopathische Arthritis und inzwischen auch eine chronische Uveitis intermedia. →
Kurzbiografie meiner Krankheit

Ausgerüstet mit Basismedikamenten, Schienenversorgung, Ergo- und Physiotherapie und meinem künstlichen Sprunggelenk arbeite ich Vollzeit als Projektmanagerin in Heimarbeit, bin glücklich verheiratet und ehrenamtlich in der Rheuma-Liga aktiv. Ich trage bevorzugt schwarze Kleidung, mein Herz schlägt für The Beauty of Gemina und habe einen grünen Daumen für Orchideen und Sukkulenten.

So bunt wie das Leben selbst, so vielfältig sind die Einflüsse meines Lebens auf meine Krankheit und die Einflüsse meiner Krankheit auf mein Leben. In rheumatopia dreht sich vieles um Rheuma, aber nicht alles. Hier liest du, → was mich sonst noch umtreibt. Es ist, wie es ist, und es kommt, wie es kommt. Und das Wichtigste in jeder Lebenslage: Was würde die Liebe jetzt tun? So lässt sich vieles meistern, was unerträglich erscheint – mit Gleichmut und Vertrauen in das Gute.

Du hast Fragen zu Rheuma, rheumatopia oder mir? Schreib mir!

Ich werde ausflippen vor Freude, dass du dir die Zeit für ein Feedback nimmst. Auch würde ich gerne etwas über dich erfahren, z.B. wie und warum du auf meine Seite gestoßen bist. Herzlichen Dank für deinen Besuch und ganz viel Freude beim Lesen!

Was fällt dir auf? Es ist eine wunderbare Momentaufnahme aus meinem Leben, eine Station und Etappe. Vieles davon ist immer noch wahr, einiges hat sich verändert. Es ist herrlich, wenn man auch die scheinbar eindeutigsten Dinge aus neuen Blickwinkeln mehrdeutig interpretieren kann – das hält den Geist wach und den Verstand flexibel, und man nimmt sich selbst und seine Gedanken weniger ernst und wichtig! Alles fließt, und du kannst niemals zwei Mal in denselben Fluss steigen.

Ich habe diesen pinken Spruch “Unsichtbar. Wenn du eine Krankheit nicht sehen kannst, tut sie trotzdem weh?” letztes Jahr kreiert, um auf uns arme Rheumis mit unseren unsichtbaren Krankheiten hinzuweisen, die ach so unverstanden sind. Ja, den Sarkasmus braucht es an dieser Stelle, und es liegt ganz bei dir, lieber Besucher, ob du dich selbst zum “uns arme Rheumis” dazu zählst, ob du ehrlich zu dir sein kannst. Ich habe mich lange dazugezählt. Ihr wisst es und ihr könnt es oben lesen: ich habe das Rheuma vor mir hergetragen, mir das Label der unsichtbaren und unheilbaren Krankheit angehängt für ein Publikum, und mit der noch unsichtbareren (!) Uveitis das Bild der unverstandenen Krankheit zementiert. Nicht, dass es meinen Augen (!) nicht wirklich weh getan hätte. Doch bei all dem war ein Nachgeschmack, eine Trauer, ein “es fühlt sich nicht richtig an.” Weil etwas in mir, meine Seele, mein Urvertrauen, mein Leben-und-gesund-sein-wollen, ganz genau, verdammt genau wusste, dass ich hier ein Spielchen abzog; dass es ein Drama war, das ich spielte.

In diesem Spruch über die Unsichtbarkeit liegt eine tiefere und unfassbar hilfreiche Wahrheit, die mir damals schon den Weg weisen wollte, die ich aber erst heute vollkommen zulasse zu begreifen.

  Wenn du im Selbstbild einer Krankheit durch die Welt gehst,  
  die dir weh tut, aber die man dir nicht ansieht,  
  dann tust du dir doppelt weh.  


Du hast bereits Schmerzen, doch zusätzlich wirst du wütend auf das Unverständnis der Menschen, die zu wenig Rücksicht auf dich nehmen. Du kämpfst mit deiner Wut, denn im Grunde deines Herzens wünschst du dir einfach das, wonach sich jeder Mensch sehnt und was unser Geburtsrecht ist: geliebt zu werden. Also kämpfst du gegen dich und das schlechte Gewissen, weil du anderen Menschen gegenüber so ungerecht wirst. Und du kämpfst nochmals gegen dich, weil etwas in dir sich dagegen wehrt, das Opfer einer Krankheit zu sein. Würde alles wirklich weniger weh tun, wenn man dir deine Krankheit ansähe? Würde sie weniger weh tun, wenn andere Menschen Verständnis aufbringen? Möchtest du wirklich all das Mitleid, statt Mitgefühl und Liebe?

Und nun ist die Antwort ein Nein, aber... Wie geht es dann? Fang bei dir selbst an. Was du möchtest kannst du dir selbst geben. Fang an, dir selbst das zurückzugeben, was du im Außen/draußen/bei anderen Menschen suchst. Fang an, für dich zu sorgen. Fang an, dich zu lieben wie du bist. Ich schreie es euch entgegen und in die Welt hinaus:

Liebt euch selbst und liebt eure Körper!

Dein Körper ist das größte Geschenk um diese Welt zu erleben. Ohne euren wunderbaren Körper könntet ihr nicht eure Lieblingsmusik hören, die eure Seele streichelt und stärkt. Ohne euren Körper könntet ihr euch nicht umarmen, könntet die Liebe zu euren Seelengefährten nicht spüren, die Worte nicht auszudrücken vermögen. Ohne euren Körper wärt ihr nicht hier.

Liebe deinen Körper, auch wenn er momentan weh tut! Liebe deinen Körper bedingungslos, egal was passiert, egal wie sehr er sich von “der Norm” unterscheidet! Du bist einzigartig – lass uns das feiern. Liebe deinen Körper wie ein kleines Baby, wie ein Tierkind, wie das herzigste Geschöpf das du dir vorstellen kannst. Sei sanft zu ihm und versuche jeden Tag, mit ihm so gut es dir gelingt zusammen zu arbeiten. Rede mit deinem Körper als wäre er deine beste Freundin oder dein bester Freund. Ermutige ihn zur Heilung. Versprich ihm, dass du auf seine Signale hören wirst und gut auf ihn achtgibst. Verbinde dich tagtäglich mit diesem Versprechen. Er wird lernen, dass er dir vertrauen kann, du wirst lernen, seine Botschaften zu verstehen und danach zu handeln und ihr werdet gemeinsam, Körper, Geist und Seele im Einklang, ein wundervolles Leben führen.

Mein Körper ist mein Zuhause. Mein Körper ist der Tempel meiner Seele. Mein Körper ist ein Wunderwerk. Das sage ich mir jeden Tag, weil ich nicht länger gemein zu mir sein will: My body is my home and I will not tear it down. Und selbst dann, wenn ich wieder negativ über mich denke, lerne ich, immer rascher die Reißleine zu ziehen – weil ich fühle, dass es sich schrecklich anfühlt und auf lange Frist mir selbst schadet, wenn ich diese Gedanken beiseiteschiebe und die Gefühle dazu verdränge; weil ich fühle, dass es gesund für mich ist, diese Gefühle bewusst anzuschauen, gerade dann, wenn es unbequem wird; weil ich fühle, dass ich zu viele Dinge viel zu lange in mich hineingefressen und mich dabei selbst zerfleischt habe. Wenn man wirklich fühlt, was wahres Leben ist, es nicht nur vom Verstand her theoretisch weiß mit Tools und Techniken und Gelerntem, sondern wenn man es beGreift, wenn man es in sich hat, dann lässt einen dieses Gefühl nicht mehr los. Es lässt dich nicht mehr allein. Es ist eine Wärme im Brustkorb, die trägt und behütet. Die sagt, du bist am richtigen Platz und alles ist gut. Du hast verstanden – du hast verstanden zu leben. All das wünsche dir von ganzem Herzen.

  Meine Vision ist, dass Menschen mit Rheuma ihren Körper und ihr Leben lieben,  
  weil aus dem Vertrauen in sich und das Leben Gesundheit wächst.  

Diesem Herzenswunsch will ich in rheumatopia Ausdruck verleihen. Lasst uns alle mit unseren Körpern Frieden schließen. Mit unserem LEIB LIEB sein. Jeden Tag auf’s neue. Selbstliebe ist die Basis für alles, weil wir aus einer höheren Energie heraus handeln. In dieser Harmonie, dieser Zufriedenheit mit uns selbst, dem nicht mehr suchen oder brauchen oder nicht genug sein, wird das Leben ruhiger, gelassener und reicher. Schmerzen werden leichter, Erlebnisse werden tiefer und echter. Der Fokus liegt auf den wirklich wichtigen Dingen des Lebens und du schaffst Raum für die Fülle, Dankbarkeit und Zufriedenheit. Je tiefer die Liebe zu dir selbst wird, je leichter wird es – je leichter wird alles und das ganze Leben wird zu einem Tanz.

Ein Mensch wächst neun Monate, bis er geboren wird – nach all dem, wodurch ich die letzten neun Monate gegangen bin und was ich gelernt habe, bin ich neu geboren. Ich habe rheumatopia, mein zweites “Zuhause”, neu definiert und neu erfunden, so wie auch ich mich schon einige Male neu definiert und neu erfunden habe. Heute steht auf meiner Home-Page: “wie eine Krankheit mein Leben bereichert.” Ich sehe die Botschaften, die auf meine unendlichen Möglichkeiten und meine absolute Verantwortung zeigen. Die darauf zeigen, wie ich mich mir selbst zurückgeben kann. 33 Jahre lang hat mir eine Krankheit die Kraft für das Leben gegeben und mich auf mein Leben vorbereitet – nun beginnt es… neu.

Krass? Ja! Und so soll es sein. Ihr sollt mit mir Muster durchbrechen, tiefer zu graben, aus der Box zu denken und eure eigene Wahrheit zu finden. Ich möchte euch anstupsen, den Blick öffnen, euren Weitwinkel einstellen und von dort aus seid ihr offen, eure eigenen Erfahrungen zu machen. Mit den eigenen Erfahrungen kann man das Leben anderer bereichern. Macht Erfahrungen! Verschwendet euch! Denkt neu. Ich möchte euch euch selbst zurückgeben, damit ihr das weitertragen und weiter schenken könnt. Damit wir liebevoller zusammenleben und glücklich werden und alles fügt sich.

Ich freue mich wie nie zuvor auf den morgigen Weltrheumatag!