MRT

1.3.2017
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Es gibt Dinge, an die werde ich mich nie gewöhnen, egal wie oft ich sie mache. Dazu gehört für mich definitiv die Untersuchung im Magnetresonanztomografen, auch liebevoll “die Röhre” genannt.

Nach zehn Jahren mit durchschnittlich zwei Sitzungen pro Jahr - um den Status der Entzündung und Gelenkzerstörung zu ermitteln - werde ich jedes Mal immer noch nervös, je näher der Termin rückt. So auch Ende des letzten Jahres, als bei mir ein Schädel-MRT anstand. Erfahrungswert null, also habe ich mir die schlimmsten Szenarien in den tollsten Farben ausgemalt. Der blanke Alptraum heißt: Was, wenn ich die Augen offen behalten muss? Ihr müsst wissen, dass ich in all den Jahren noch nie einen MRT von innen gesehen habe. Zum Glück konnten mir die Helferinnen diese Angst gleich nehmen, natürlich dürfe ich die Augen geschlossen lassen. So fing die ganze Geschichte dann doch etwas beruhigter an.

Ich bereite mich also vor, lege alle Gegenstände und Kleidungsstücke mit Metall ab, rede mir gut zu - dann geht die Tür auf und eine Helferin serviert Kanüle an Wattetupfer und Fixier-Heftpflaster auf einem sterilen Edelstahltablett. “Damit wir bessere Bilder bekommen” sagt sie, schnappt sich meinen rechten Arm und nach kurzem Zusammenzucken - gepaart mit undefinierbaren Lauten meinerseits - sitzt der Zugang in meiner Vene. Später wird dadurch Kontrastmittel in meinen Körper fließen, wenn ich in der Röhre liege und fasziniert den Klopf- und Brummgeräuschen zuhöre, die so ganz anders sind als bei der mir wohlbekannteren Halswirbelsäulenuntersuchung. Einmal vibriert der gesamte Tomograf und gibt ein sirenenartiges Heulen von sich. Ich überlege noch kurz, ob das eine Störung und ein Notfallsignal ist und ob ich besser den Panik-Ballon drücken soll, da ist das Geräusch auch schon vorbei.

Nach etwa 25 Minuten ist alles überstanden. Der Zugang wird entfernt und zum Aufstehen reicht mir der Herr über die Kontrastmittelinfusion die Hand. Als ich zu Hause die ausgedruckten Untersuchungsbilder betrachte ist es extrem cool, zum ersten Mal im Leben mein Gehirn zu sehen!

Zwei Wochen später wird das Ergebnis da sein und mir bestätigen, dass sowohl mit meinem Gehirn als auch mit meinen Augen alles in Ordnung ist. Die im April 2016 überstandene Iritis hat also bleibenden keine Spuren hinterlassen. Dass das Sehen auf meinem linken Auge trotzdem nicht besser geworden ist führt mich Mitte Februar erneut zum Augenarzt. Die beunruhige Vermutung lautet nun: Makulaschichtforamen, ein Loch in der Netzhaut am Punkt des schärfsten Sehens. Ob es das tatsächlich ist oder doch etwas ganz Anderes werde ich heute in der Augenklinik erfahren. Bis dahin habe ich für euch erst einmal... *Trommelwirbel*

Nataschas ultimative MRT-Tipps
 

1. Kleidung.
Da man sich sämtlicher metallhaltiger Klamotten entledigen muss ziehe ich immer eine Strumpfhose an. So liege ich später nicht nackt da und ich muss nicht frieren. Für die Männer: wenn es nicht gerade Hochsommer ist - lange Unterhosen sind schick!
   
2. Ohrstöpsel. Damit ich in der Röhre nicht durchdrehe vor Lärm und um meine Ohren vor dem Kollaps zu bewahren packe ich Ohrstöpsel ein, die ich mir direkt vor der Untersuchung einsetze. Man bekommt zwar einen Kopfhörer als Schutz, aber glaubt mir - der bringt absolut nix.
   
3. Augen zu und durch. Ich schließe meine Lider, wenn ich in die Röhre geschoben werde, und mache sie erst dann wieder auf, wenn ich spüre, dass man mich herauszieht. Das empfiehlt sich für alle, die bereits Erfahrungen mit Platzangst haben. Lieber ins Schwarze gucken und sich vorstellen, ihr liegt unter einem weiten Sternenhimmel, als mit einer möglichen Panikattacke kämpfen zu müssen. Oft habe ich mit dem Gedanken gespielt, was jetzt passiert, wenn ich die Augen doch ein kleines Stück öffne... aber ich lasse es brav sein, aus Respekt vor meiner eigenen Unberechenbarkeit.
   
4. Kopfkino. Aus den Kopfgeräuschen bastle ich ein Quiz: an welches Gitarrenriff erinnert mich das? Kann ich es mit einem Lied verbinden? Oder ich gehe meine ToDo-Listen durch. Oder ich male mir den letzten Finnland-Urlaub aus, das letzte The Beauty of Gemina-Konzert, lasse in meinem Gehirn Lieder ablaufen, die ich in und auswendig kann. Ganz egal, womit ihr euch beschäftigt, während ihr im Tomografen liegt - denkt an Positives, lenkt euch ab und macht euch ganz fest bewusst, dass euch trotz allem nichts geschehen kann. Und auch das geht vorbei.

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