Nebenwirkungen

31.5.2017

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Wir hoffen auf die heilsame Wirkung unserer Therapie und Medikamente - und so sehr wir hoffen, so sehr fürchten wir die begleitenden unerwünschten Wirkungen. Dabei muss die “Nebenwirkung” nicht immer gleich unsere Gesundheit bedrohen, doch das Wort ist tief mit meterlangen Beipackzetteln voller gruseliger Möglichkeiten verwurzelt, die uns alle zustoßen könnten. Die englische Sprache nennt so etwas schlicht “side effect” (Nebenerscheinung) und reduziert die Nebenwirkung damit auf das, was sie eigentlich ist - nämlich ein Nebeneffekt der Therapie, der nicht das Therapieziel war.

Das klingt, als mache ich es mir zu einfach? Es ist einfach!

Hätte ich mir alle möglichen Nebenwirkungen meiner Rheumamedikamente ausgemalt, - und das waren inzwischen einige, wie ihr in meiner Vita nachlesen könnt -, ich hätte kein einziges davon je eingenommen. Bei manchen Medikamenten musste ich den richtigen Zeitpunkt abwarten, bis ich mental richtig darauf vorbereitet war und mich voll und ganz auf die Therapie einlassen konnte. Aber ich habe mich immer bemüht, mir nicht den Kopf darüber zerbrochen, ob mir die Wirkstoffe irgendwelchen Schaden zufügen könnten. Aufkeimender Angst habe ich Logik und Mut entgegengesetzt und mich auf meine Hoffnungen konzentriert; mir vorgestellt, wie gut es mir mit der neuen Therapie gehen würde; mich darin bestätigt, auf dem richtigen Weg zu sein. Und nur so geht es für mich.

Trotz aller Zuversicht haben mich bisher zwei massive Nebenwirkungen erwischt. Zunächst im Juli 2010 eine Agranulozytose, von mir liebevoll “Immunsystem-Crash” genannt, als Folge einer Novaminsulfon-Unverträglich. Statistisch gesehen bin ich one in a million, denn die Chancen stehen 1:1.000.000. Dieses Erlebnis hat mich in Lebensgefahr gebracht und dadurch gezeigt, was wirklich wichtig ist. Ich werde in einem separaten Beitrag gerne darüber erzählen. Im April 2014 hatte ich 13fach erhöhte Leberwerte durch Methotrexat, was eine recht häufige Nebenwirkung ist. Nach Absetzen von Arava und MTX erholten sich meine Werte schon nach vier Wochen wieder.

Wie kann ich trotzdem immer noch so furchtlos sein? Weil es nicht anders geht!

Er vor vier Wochen dachte ich, bei Humira ginge es nun auch mit dem Schlamassel los. Nach der Spritze fühle ich mich total benebelt im Kopf, meine Wahrnehmung war seltsam reduziert wie durch Watte und alles war einfach nur anstrengend. 24 Stunden später war dieses Gefühl verschwunden und kam auch nicht wieder, und ist seitdem nie wieder aufgetreten. Ein Leben in Angst bringt niemanden weiter. Ein Leben ist Angst hilft unserer Gesundheit nicht, im Gegenteil - es schadet ihr.

Natürlich soll nun niemand blindlings losstürmen, den Beipackzettel einfach ungelesen wegwerfen und das Beste hoffen. Es ist wichtig, dass man mit offenen Augen an eine neue Therapie herangeht. Um mögliche schädliche Nebenwirkungen schnell zu erkennen und entsprechend handeln zu können muss man wissen, was einem passieren könnte. Aber sollte es dir an einem Tag einmal nicht so gut gehen, dann müssen das nicht sofort Nebenwirkungen der neuen Therapie sein. Wir sind so wunderbare und doch so komplexe Wesen, dass die ganze Welt einen Einfluss auf uns hat - nicht nur unsere Medikamente. Vielleicht fehlt Schlaf, die Arbeit war zu intensiv, das Wetter schlägt um oder ein Lebensmittel bekommt uns heute nicht so gut? Abwarten und Tee trinken hilft immer. Und wenn das mulmige Gefühl zu groß wird - dafür sind Ärzte und Notdienste da. Keine Angst!


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