Selbstliebe

In einer Gesellschaft, die von deinen Selbstzweifeln profitiert,
ist Selbstliebe ein Akt der Rebellion.


“Meine Transformationen in jenen Tagen waren – waren schrecklich. Es ist sehr schmerzhaft, sich in einen Werwolf verwandeln. Ich wurde von den Menschen getrennt zu beißen, so dass ich stattdessen mich biss und kratzte. Die Dorfbewohner hörten den Lärm und die Schreie und dachten, es seien besonders wüste Gespenster.”

—Remus Lupin beschreibt die Transformationen für Harry Potter im Jahr 1994

Als ich Ende Dezember 2018 meine Reise mit dem Kortison startete entschied ich mich, meinem Körper nicht zu vertrauen. Ich habe einen strikten Essensplan aufgestellt, um eine mögliche Gewichtszunahme zu verhindern. Ja, die Zunahme hat es verhindert, aber es hat mich auch wieder in ein gestörtes Essverhalten getrieben, aus dem ich mich schon herauswähnte. Mein Gefühl, wie Remus Lupin zu sein in diesen Tagen, ist so wahr. Ich wurde ein Werwolf.

Meine Dämonen überwältigten mich. Dadurch, dass ich nicht das gegessen habe, was ich wirklich wollte, hat mein Körper das Vertrauen zu mir verloren. Er schickte mir Signale, die nicht erfüllt wurden. Glücklich macht nur, was du wirklich essen willst. Der Moment, als ich mir wieder “erlaubte”, ein paar Chips mit Hummus zu essen, war unbeschreiblich. So krass die Endorphine, so eine gewaltige Explosion – so heftig wäre die Reaktion nicht ausgefallen, hätte ich einfach vorher schon ganz normal gegessen. Das Leben ist dazu gemacht, in Balance zu sein, und nicht solch heftige Ausschläge nach oben oder unten zu haben.

Heute glaube ich, wäre ich mit Vertrauen in mich und einem achtsamen Umgang mit meinen Körpersignalen in die Kortisontherapie gegangen, ich hätte meine wahren Bedürfnisse erkannt. Ich hätte gespürt, was Heißhunger und was richtiger Hunger ist. Selbst dann, wenn mein Körper Chips hätte wollen, wirklich wollen aus richtigem körperlichen Hunger, dann hätte ich mir das vergönnen können! Und ich hätte Mittel und Wege gefunden, den emotionalen Heißhunger von innen heraus zu lindern, indem ich meine Gefühle und meine Seele wärme, statt von außen mit Unterdrücken und Kontrolle und ohne Selbstliebe zu handeln.

Ich bin dankbar für diese Erfahrung. Wenn wir offen bleiben für alles, was das Leben zu bieten hat, wenn wir jedes Ereignis als Unterstützung auf dem Weg sehen hin zu uns selbst und jedes Gefühl als Botschafter, dann gibt es kein Bereuen und keinen Perfektionismus.

My body is my home and I will not tear it down.

Heute gibt es keine Verbote und Regeln. Heute blicke ich in den Spiegel und sehe einfach – mich!

Intuitives Essen und intuitives Leben beginnt da, wo wir den Kopf ausschalten und auf unsere innere Stimme hören – die wohlmeinende, die freundlich zu uns ist, nicht die innere Kritikerin. Das Herz, das uns leitet und uns zu den für uns ganz persönlich richtigen Entscheidungen führt. Wo kein Platz ist für “du sollst” oder “du darfst nicht” oder “du musst”. Es gilt, die Regeln im Kopf über zu Bord werfen. Es geht nicht nur ums Essen, es ist das ganze Körperbild.

Ich erinnere mich gut, wie ich im Sommer 2019 anfing, hinter meine eigenen Kulissen zu schauen. Wenn man alles entzwiebelt, sämtliche Schichten wegnimmt, dann geht es weder um das Essen noch das Körperbild – es geht um die fehlende Selbstliebe.

Was war mein Warum? Ich möchte intuitives Essen lernen. Ich möchte einen gesunden Körper. Ich möchte einen klaren Geist. Ich möchte Lebensfreude → tiefer: warum möchte ich das? → Um mein Wohlfühlgewicht zu erreichen. Um mit meinen Symptomen gut zu leben. Um meine Ziele zu verwirklichen. Um Liebe in die Welt tragen zu können. → und warum möchte ich das? → Um mich zu lieben. Um rheumatopias Message verbreiten zu können. Um ein Lebenswerk zu schaffen. Um zu lieben, geliebt zu werden und die Welt in meiner Lebenszeit zu einem besseren Ort zu machen.

Ich habe Zeichen gesetzt, um Ernst zu machen mit meinem Plan.

  • Zuerst habe ich das Ziffernblatt meiner Waage mit “Du bist wertvoll” beklebt, ein paar Tage später habe ich die ganze Waage auf den Dachboden gestellt, und ich habe die Kalorientracker-App gelöscht.
  • Ich schloss Frieden mit meinem Bauch, zog ihn nicht mehr ständig ein oder quetschte daran herum, und er dankte mir die Zuneigung, indem er immer entspannter für mich arbeitete.
  • Bonbons und Kaugummi wurden wieder Abwechslung für die Geschmacksknospen, kein Nahrungsersatz oder Hungerunterdrücker. Mir ist sogar irgendwann vom Kaugummikauen übel geworden und da wusste ich, jetzt bin ich dort, wo ich hinwill!
  • Ich freue mich über meinen Hunger und hasse ihn nicht länger. Ich genieße die Signale und unterdrücke ihn nicht, weil ich weiß, mein Körper sagt mir: ich bin bereit für neue Energie.
  • Seit dem Sommer gefällt mir das Nordic Walking schlichtweg aus Freude an der Bewegung, nicht, weil ich dabei Energie verbrenne.
  • Kaffeetrinken ist nun wieder ein Genuss, ich verschiebe damit den Hunger nicht länger oder missbrauche ihn, um meine durch das zu wenige Essen oft verlangsamte Verdauung anzuregen.
  • Und das Beste und Allerschönste: Menschen sehen mein Strahlen, bemerken die Veränderung. Ich strahle von innen heraus!

Gesundheit ist ein Selbstgespräch. Schau hin, hör dir zu, wie du gerade mit dir sprichst, was du dir erzählst. Lerne, liebevoll mit dir sprechen! Wenn du dich ablehnst, schau bewusst in den Spiegel und sag dir, dass du vollständig bist. Denn das ist die Wahrheit, das bist du. Finde etwas, was dir an dir gefällt. Du hast nur diesen einen Körper – lerne, ihn zu lieben. Keine Diät oder Ernährungsumstellung der Welt kann dich retten – nur du dich selbst. Alles andere ist Symptombekämpfung.

Intuitives Essen – wann, was, wie und wie lange?

1. Iss dann, wenn du körperlichen Hunger hast.
2. Iss das, was dir schmeckt und guttut.
3. Iss wie ein Feinschmecker und genieße langsam und bewusst.
4. Hör auf zu essen, wenn du angenehm satt bist.

Ins Vertrauen gehen heißt immer, Vertrauen in den Körper entwickeln, nicht nur was die Selbstheilungskräfte anbelangt. Wenn du entscheidest, die Kontrolle loszulassen, kann zunächst einmal das passieren, was auch bei den Gefühlen und beim Rheuma passiert: der lange unter Wasser gedrückte Luftballon springt erstmal in die Höhe. Das heißt, beim Essen wird sich erstmal ausgetobt, alles ist erlaubt. Schokolade, Chips, tagtäglich… und das ist okay! Das pendelt sich ein. Irgendwann ist es genug. Irgendwann versteht dein Körper, dass er nun wieder essen darf, dass seine Signale wahrgenommen werden. Irgendwann ist das Essen wieder eine Nebensache, im positiven Sinne.

Die Gedanken, die ständig um das Essen kreisen, hören auf. Du lernst, echten von emotionalem Hunger zu unterscheiden: habe ich wirklich Hunger oder will ich mich nur anders fühlen? Und wenn ich mich anders fühlen will, dann tue ich etwas, das mich so fühlen lässt. Du kommst in dieses Bewusstsein, was du da gerade tust und beobachtest dich, ohne dich zu “verkopfen”. Statt also auf die Stimme in deinem Kopf zu hören, die dir angeeignete Regeln einflüstern will hörst du auf deine körperlichen Signale, auf das Knurren im Bauch… und isst einfach.

Jeder Körper ist anders, genauso wie die Seele, die darin wohnt. Jeder Körper weiß ganz genau, was er wann und in welcher Menge braucht. Dein Körper sagt dir alles über deinen Appetit, dein Hunger- und Sättigungsgefühl – wenn du ihn lässt. Wir brauchen keine Regeln, weil kein Mensch in ein Raster passt – weil jeder Mensch anders ist. Die einzige Leitlinie, die wir brauchen ist: vertrau dir selbst. Du selbst weißt am besten, was gut für dich ist. Unser Körper spiegelt unsere Seele, und nur du kennst deinen Seelenplan. Du kannst deinen Körper nicht überlisten. Ein Lebensmittel, auf das du Lust hast, durch ein anderes zu ersetzen, weil dieses in deinen Augen gesünder ist oder weniger Kalorien hat, funktioniert nicht. Das größte Geschenk, das du deinem Körper machen kannst ist, mit deinem Verstand aus dem Weg zu gehen und mit ihm intuitiv zusammen zu arbeiten.

Ich liebe mich.

Essen ist eine volle Tätigkeit, und intuitives Essen hat sehr viel mit achtsamem Essen zu tun.

Es ist mehr als das einfach nur essen, wenn man Hunger hat und jeden Bissen genießen, sondern beim Essen und Genießen auch bewusst mit jedem Bissen DA sein. Sich über die Absicht bewusst werden, warum ich etwas esse und welche Wirkung es auf meinen Körper hat. Dass es mich nährt, stärkt, heilt, ausgleicht und wie es in mir wirkt.  Essen darf auch achtsam und mit Liebe, liebevoll, vor- und zubereitet werden. Wenn uns jemand Essen schenkt und wir nehmen es an, essen es, dann nehmen wir auch die zugehörige Energie in uns auf, mit der es geschenkt oder zubereitet wurde. “Das hast du mit Liebe gemacht” sagen wir ja nicht umsonst, und so wird das Essen zur heilsamen Nahrung. Liebe geht durch den Magen!

Ich gebe meinem Körper durch intuitives und achtsames Essen die Möglichkeit, so zu werden, wie er sein will, was er braucht und wie er es braucht, um gesund zu sein. Und um jeden Tag gesünder zu werden. Es geht nur von innen nach außen! Veränderungsprozesse im innen führt zu Aktivität und Ablenkung im Außen, weil das Gehirn es ungewohnt empfindet. Wenn ich meinen Körper liebe und merke, was ihm guttut, dann ist das Weglassen was ihm nicht gut tut kein Verzicht, sondern ein Liebesbeweis und eine Geste des Sorgetragens!

Ich habe so viele Ängste mit Kontrolle weggedrückt – mein innerer Dialog war eine Katastrophe. Das Überstülpen mit dem Kopf macht den Unterschied – mein Körper hätte mir von innen heraus Signale zur Bewegung und Appetit auf bestimmte Nahrung gegeben. Doch es bringt nichts, wenn ich sprichwörtlich nur am äußeren herumdoktore. Man muss erst einmal erkennen, dass es das Bewusstsein, dass es etwas darunter gibt. Viele Menschen schlafwandeln durch ihr Leben und nehmen nur das, was sie sehen, als wahr hin. Auf ihre Gefühle und Gedanken achten sie nicht, die “sind halt so”. Ich begab mich auf die Achterbahnfahrt, meine Ängste vor dem Kontrollverlust anzugehen und an ihnen zu arbeiten, um aus dem Survival Mode in den Heilungsmodus zu kommen. Ich weiß, die Angst und all die Unsicherheit kommen aus mir – es ist mein Werk und ich kann neu wählen! Ich wähle Gesundheit und Symptomfreiheit und Vertrauen. Ich wähle Liebe! Schluß mit unterdrücken oder wegschieben!

Du entwickelst ein ganz neues Körpergefühl und eine völlig neue Art zu leben (→ Game changer). Am Ende kann man alles unter der Überschrift “persönliche Weiterentwicklung” zusammenfassen. All die Themen, von denen ihr vielleicht gerade zum ersten Mal hört, gehören dazu. Bei allem, was du tust, richtest du ein Auge nach innen. Was denke ich den ganzen Tag? Warum denke ich das? Was steckt dahinter? Ich denke dass ich denke dass ich denke? Was fühle ich? Warum fühle ich das? Wie reagiert mein Körper darauf? Wo sitzt Anspannung (jede Anspannung ist eine Einladung zur Entspannung)?

Irgendwann wird es ganz selbstverständlich und das ganze Leben wird zur Meditation. Du bist nicht dein Ego und auch nicht, was es so sagt und will. Es hilft, das Ego als deinen Überlebensmechanismus, deinen Beschützer zu betrachten. Es will dich vor Schmerz (Körper, Geist, Herz) bewahren und interpretiert die Zukunft, das Jetzt, auf Basis von Erfahrung in der Vergangenheit – mach deinem Ego keinen Vorwurf! Durch-schaue es, dann löse es.

Wir müssen die Dinge aus Selbstliebe tun.

Was passiert, wenn man loslässt – wenn man sämtliche Kontrolle weglässt? Man überspringt den Verstand und geht ins Vertrauen auf seinen inneren Kompass.

Ich habe schon in meiner Kindheit auf meine Intuition vertraut, bin den Eingebungen gefolgt und habe auf mein Bauchgefühl gehört. Ich habe dieses “das ist der richtige Weg” in mir, z.B. wenn wir auf der Straße unterwegs sind und es zwei Möglichkeiten gibt, dann weiß ich instinktiv-intuitiv, welche Route wir nehmen sollen. Ich spüre tief in mir, was wichtig und gerade für mich richtig ist.

Bei meinem Essverhalten und im Umgang mit den Rheuma-Symptomen habe ich meiner Intuition lange Jahre nicht vertraut. Ich war sehr vom Verstand getrieben und – wie ihr im vorherigen Beitrag gelesen habt – im Kontrollwahn. Echte Veränderung geschieht, wenn wir unser Unterbewusstsein an die Hand nehmen. Unser Unterbewusstsein steuert 95% unserer täglichen Handlungen, doch unsere Intuition ist unser Überbewusstsein. Es weiß immer, was wir wirklich brauchen, was uns weiterbringt und uns erfüllt. Intuition ist die Kommunikation mit deiner Seele, deinem höheren und weiseren Selbst. Das intuitive Essen ist für mich nicht nur eine gesunde Lebensgrundlage – es ist auch ein Hilfsmittel, um bei mir, bei Sinnen zu bleiben. In Erinnerung daran und im Bewusstsein zu leben, wie ich leben will und wer ich wirklich bin.

Du bist ein Original.

Ich sehe rückblickend, dass meine Umstellung auf die vegane Ernährung vor nun bereits 13 Jahren meine erste bewusste Entscheidung war, etwas Größeres und Tiefgreifenderes für mich zu tun, meine Lebensqualität zu verbessern und mein Außen im Einklang mit dem Innen auszurichten. Der erste bewusste Schritt, aus meinem Herzen zu leben.

Mir ging es damals wie etwas Selbstverständliches von der Hand, es war so natürlich und es war einfach Zeit. Ich weiß, das war genau der richtige Weg zum richtigen Zeitpunkt. Es hat mir die Augen geöffnet und den Weg bereitet, dass ich mich für Themen wie Friedensarbeit, gewaltfreie Kommunikation, Müllvermeidung, etc. interessiere und anfing, mich für bestimmte Gruppen zu engagieren (ARIWA, Menschen für Tierrechte, PETA, das Koala Hospital… ihr habt es im Beitrag → Sharing is Caring gesehen).

Wenn ich heute Menschen höre, die sagen, dass ihnen eine Ernährungsumstellung so schwer fällt (“ich würde ja gerne, aber ich kann nicht auf XYZ verzichten”), dann ist es sicher auch der falsche Gedankengang. Man verliert nicht, man gewinnt! Ich kann jedem nur einen einfachen Rat ans Herz legen: es einfach zu probieren, in kleinen Schritten, die wir im Schwäbischen “Hennadepperla” nennen – Hühnertrittchen. So geht ihr vor. Wenn ihr komplett am Boden seid und ihr sowieso nichts zu verlieren habt ist es nur der Sprung über den eigenen Schatten, das Verlassen der Komfortzone und die Angst vor dem neuen und unbekannten, die man überwinden lernt. Doch wie Winnie Puh sagt: ist es nicht schrecklich, wenn einem nichts passiert?

Ich werde oft noch gefragt, ob vegane Ernährung für mich kein Verzicht ist. Im Gegenteil – es ist eine bewusste Entscheidung hin zu etwas, das mir guttut. Das wegzulassen, das mir nicht guttut, ist somit kein Verzicht. Verzicht oder Verbote sind nie der richtige Weg. Wir brauchen keine Verbote. Wenn dein Körper etwas nicht benötigt oder ihm ein bestimmtes Lebensmittel nicht guttut, dann wirst du aus deiner Intuition heraus zum genau in diesem Moment richtigen Essen greifen – das gilt auch für Schokolade! Intuitiv bedeutet nicht unbewusst oder automatisch, sondern aus dem Bauchgefühl und Herzen heraus. Selbst wenn die rein pflanzliche Ernährung keinen Effekt mehr auf meine körperliche Gesundheit hätte würde ich es aus Mitgefühl weiter tun. Für mich ist Veganismus Frieden.

Die Rohkost-Reise habe ich übrigens aufgegeben, genauso wie die Phase glutenfreier Ernährung, weil mich weder das eine noch das andere völlig zufrieden gemacht noch meinen Körper gutgetan noch den Effekt hatte, den ich mir versprochen habe. Und dieses Ausprobieren hat mir etwas gezeigt, das ich erst heute verstehe: die Einschränkung im Essen, um sich in der Beweglichkeit der Gelenke nicht einschränken zu müssen – dieses initiale Einschränken findet eigentlich im Unterbewusstsein statt! Ich schuf Struktur und eine gerechte Lebensweise im außen, um meine innere Wunde der Ungerechtigkeit zu heilen. Dabei wurde ich jedoch zeitweise dogmatisch, mein Veganismus wurde überkonsequent, und ich wurde steif. In meinen Gedanken und in meinem Körper. Es war meine Schutzfunktion, um nicht locker zu lassen.

Ich bin Natascha, ich esse vegan. Heute sage ich, ich esse ganz schlicht und ergreifend intuitiv pflanzlich, denn auch Ernährung darf – wie alles – nicht zu einer Ersatzreligion werden. Ich verstecke mich nicht hinter und ich definiere mich nicht über eine Ernährungsweise. Ich stecke mich nicht mehr in Schubladen. Eine Ersatzreligion ist in meinen Augen alles, was man meint von außen zu brauchen, was man sich selbst nicht geben kann. Selbst heute noch muss ich aufpassen, dass das intuitive Essen kein neues Dogma, keine neue Regel und kein neues Korsett für mich wird. Ich genieße es, intuitiv ohne Kontrolle zu sein. Ja, Essen ist eine volle Tätigkeit, aber ich erlaube mir heute, auch einmal bewusst-unbewusst beim gemütlichen Filmabend auf dem Sofa eine Tüte Chips leerzuessen. Weil ich es kann, und weil ich es darf, und weil ich es will!

What can I give so we all win?

Ich glaube, dass jeder in sich unbewusste gestörte Verhaltensweisen in Bezug auf das Essen in sich trägt. Glaubenssätze, die wir mit uns herumschleppen, wie z.B. “Kartoffeln machen dick”. Warum nur fällt es uns so schwer, nach unserem Appetit zu handeln und unserem Körper einfach zu vertrauen? Das ist etwas, das mich immer wieder beschäftigt und mir immer wieder auffällt. Denn egal, welches Thema man anschaut, es geht immer noch tiefer als es den Augenschein hat.

Nahrung erzeugt nur die Wirkung, die du ihr selbst gibst – du erzeugst deine Realität. DU gibst der Nahrung die Bedeutung! Viele behaupten, Zucker mache unreine Haut, doch am Ende (oder Anfang) steht die Macht deines Glaubenssatzes über der in Statistiken und Theorien beobachteten Wirkung. Sicher kennst du auch Menschen, die keine “unreine” Haut bekommen von Zucker, Ketchup & Co., oder? Schlussendlich schaffen wir alle unsere Realität.

Auch die Ernährung ist kein Allheilmittel. Nahrung als Ernährungs“medizin” ist ebenso Medizin und behandelt auch “nur” Symptome. Die völlige Lösung davon ist nur im Inneren möglich. Ein Schub, eine Entzündung, ein Wiederaufflammen im Körper aus sich selbst heraus wie bei einer Autoimmunkrankheit, kommt auch aus dir selbst. Und wenn du ganz ehrlich zu dir bist weißt du das, denn du kennst mindestens eine Situation, wo ein “Fehlverhalten” einen Schub ausgelöst hat: Überforderung, Stress, extreme Emotionen wie Wut und Zorn, eine Bestrafung für einen Fehltritt in der Ernährung wo du meinst, nicht konsequent gewesen zu sein… Der Schub, den ich hatte, als ich meine Ernährung auf vegan umstellte, kam durch die Umstellung meiner Lebenssituation in der Ausbildung. Doch auch das ist nur die Oberfläche. Alles hat eine geistige Ursache.

Selbst wenn etwas von einer Veränderung im Leben oder von angeblich schlechter Ernährung kommt – die Frage darunter ist: warum ernähre ich mich “schlecht”, und warum stresst mich das, was passiert? Und noch eine Ebene tiefer liegt: Nicht das falsche Nahrungsmittel oder der Stress zieht den Schub an, deine Bewertung, dass es falsch war und dass es dich stresst, tut es. Alles hat die Bedeutung, die wir ihm geben, und das ist in Glaubenssätzen in unserem Unterbewusstsein verankert. Das ist die dunkle Seite der Macht der Autosuggestion – sie ist dienend und hinderlich – und sie ist grenzenlos.

Die Panik vor dem nicht strikt eingehaltenen Plan provoziert den Schub und wir zu einer gnadenlos sich selbst erfüllenden Prophezeiung. Der Schub kommt, wenn gegen das Dogma gegessen wird! Ein neuer Krieg mit sich selbst, eine schmerzhafte Ungerechtigkeit gegenüber sich selbst, eine Bestrafung dafür, dass man “inkonsequent” war...

Wenn Essen/eine Ernährungsumstellung so auf uns wirken, weil wir denken, dass es wirkt bzw. bestimmtes Essen Schübe auslöst, dann gilt das auch für Medikamente. Wir machen die Erfahrung, dass irgendwann Medikamente nicht mehr wirken oder superkrasse Nebenwirkungen haben. Dies stößt dann einen Veränderungsprozess an. Es ist also nicht nur der Gedanke, dass die Schulmedizin nur Symptome unterdrückt, sondern auch, warum wir die Schulmedizin wählen. Auf einer gewissen Ebene wirken die Medikamente dann so (oder eben auch nicht), aber tatsächlich lassen wir sie so wirken aus unserem Unterbewusstsein/unserer Seele heraus.

Ich finde das sehr befreiend, denn das heißt konkret: wenn ich so mächtig bin, dieses Nichtwirken/diese Nebenwirkung zu erschaffen – dann bin ich auch so mächtig, Heilung zu erschaffen!

Ich vertraue meinem Körper.

Was man dir als Kind verboten hat war besonders attraktiv. Das gilt vor allem in Bezug auf das Essen. Unser Essens- und Gefühlszentrum sind miteinander verknüpft, und so haben wir oft auf die Speisen Lust, mit denen wir etwas in unserem Herzen kompensieren können. Es passiert, dass wir uns mit Essen füllen, obwohl wir eigentlich eine andere Fülle bräuchte. Wir nehmen den Mund zu voll, stopfen Essen in uns hinein, um nicht sprechen zu können, unsere Wahrheit nicht sprechen zu müssen. Beobachte dich genau und spüre in dich hinein. Habe ich wirklich Hunger oder will ich mich nur anders fühlen?

Vielleicht hast du momentan noch unbändige Essendränge auf bestimme Lebensmittel, aber das ist okay. Das wird besser. Streich bitte den Glaubenssatz aus deinem Leben, du hättest “gesündigt”. Es gibt keine Sünden. Sei milde mit dir und feiere auch das Scheitern! Perfektionismus ist ungesund, denn er führt zu innerem Stress und du rutscht vom Heilungs- in den Überlebensmodus. Im Zustand des Überlebensmodus wird der Darm empfindlich, und auch ein vermeintlich gesundes Essen wird toxisch. Das gilt dann vor allem für Nahrung, die wir kaum oder schlecht verdauen können. Was lange satt macht ist also nicht unbedingt gesund. Wenn du müde und platt bist nach dem Essen, das berühmte und gesellschaftlich schon so anerkannte Fress- oder Suppenkoma, ist das gar nicht der Normalzustand! Essen soll dir Energie geben, nicht Energie abziehen. Auch das musste ich erst umdenken lernen.

Das Gegenteil von Heißhunger ist Appetitlosigkeit. Vor einigen Wochen hat mir nichts so richtig geschmeckt und ich war ratlos, was ich überhaupt essen sollte. Rückblickend war es ein Zeichen dafür, dass ich unachtsam gegessen habe und meinem Leben buchstäblich der Geschmack gefehlt hat – ich war wieder zu sehr im Kopf, statt im Herz. Der Fokus auf die kleinen Schritte, das Wesentliche. Geduld, sich Zeit nehmen, ein Ereignis bewusst nach dem anderen, eine achtsame Mahlzeit (und auch ein achtsames Trinken) nach dem anderen. So wird alles wieder klar, magisch, meine Lebensfreude, Begeisterung und Energie kehrt zurück.

Nicht vergleichen!

Je mehr ich mit mir im Einklang bin, je weniger ist Essen ein Thema. Je mehr man sich selbst liebt, je empfindsamer wird man auch gegenüber allem, was verletzend sein kann. Das Herz ist weit und man ist nicht länger abgestumpft. Unsere Mitmenschen finden immer das im Außen sonderlich, was sie an sich selbst nicht akzeptieren können.  Wenn du mit dem Finger auf jemanden deutest, zeigen drei Finger zu dir zurück. Lassen wir einander doch einfach unser authentisches Selbst und damit glücklich sein.

Wie ich schon in meiner → Vision sagte – ich wünsche mir, dass Menschen mit Rheuma ihren Körper und ihr Leben lieben, weil aus dem Vertrauen in sich und das Leben Gesundheit wächst. Dies wünsche ich mir für alle Menschen. Ich möchte mich selbst bedingungslos lieben – auch meine Schatten. Jeden Tag. Denn jeder Tag ist ein neues Leben und ein neuer Anfang. Die wunderbare Reise zu mir selbst und zu dir selbst geht weiter!

Dein Körper ist ein Geschenk. Every body is beautiful.

Geschrieben und veröffentlicht am 29.12.2019.
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