Smartphone

Geständnis: ich empfinde eine tiefe Zuneigung zu meinem Smartphone. Es dient als Mini-Computer to go und unterstützt Rheumatopia auf den Social Media, es verbindet mich mit meinen Liebsten und dem Wissen der Welt. Doch immer öfter bereitet es mir Schmerzen - und in letzter Zeit häufiger, als mir lieb ist.

Die Wahrheit ist, sooo lange bin ich noch gar nicht “smart”. Ich musste erst 31 Jahre alt werden, und genau an meinem Geburtstag 2016 tauschte ich mein stinknormales schwarzes Tastentelefon Nokia 301 gegen ein giftgrünes Nokia Lumia 530 Dual SIM - ihr merkt die Liebe zu finnischen Produkten (-: Ich hatte lange ziemliche Berührungsängste mit den neuen Medien und wollte das alles eher erst einmal vorsichtig “ausprobieren, um mitreden zu können und es langsam angehen lassen”. Was dann geschah war einschneidend. Eine neue Welt öffnete sich für mich. Heute dient das 301 zwar immer noch als unverwüstliches Notfalltelefon mit einer unvorstellbaren Akku-Laufzeit von fast einer Woche. Tagtäglich benutze ich aber mit dem Microsoft Lumia 650 mein inzwischen schon zweites smartes Mobiltelefon. Und wahrlich, wahrlich ich sage euch: ich möchte es nicht mehr missen!

Gut, zugegeben. Es gibt Momente, da werden mir die Infos aus den verschiedenen App-Kanälen einfach zu viel, die gefühlt alle auf einmal auf mich einstürmen. Ich will am liebsten sofort auf jede Nachricht reagieren, mit 100%iger Konzentration, doch dann ist da ja auch noch die Arbeit und der Haushalt und die Nahrungsaufnahme und der (Ehe)Mann meines Lebens ❤ Wem erzähle ich das, diese Situationen kennt ihr alle. Lassen wir uns nicht verrückt machen - Handys sind für uns da und nicht umgekehrt. Sie sollten nicht zu Stressoren werden und etwas sein, mit dem wir Spaß haben. Zum Selbstschutz sind bei mir sämtliche Benachrichtigungstöne ausgestellt, nur SMS (meine Eltern ❤) und Anrufe machen sich mit Katzenmiauen und Black Cat Nights von The Beauty of Gemina bemerkbar (während ich das schreibe fällt mir übrigens die feline Gemeinsamkeit auf, das kann unmöglich Zufall sein). Wird mir die Ablenkung zu groß lege ich das Handy in den nächstbesten Raum nebenan. Wenn mich jemand wirklich sofort braucht verlasse ich mich darauf, dass er/sie anruft. Wie sagte schon Peter Lustig: Abschalten... ist auch eine Möglichkeit, sich Zeit für sich zu nehmen. Falls Handy aus - ich habe auch noch ein Festnetz. Und alles andere hat Zeit. In der Ruhe liegt die Kraft und die Qualität der Rückmeldung.

Ich möchte also sagen, es ist eine ziemlich gesunde und fruchtbare Beziehung, die mein Windows Phone und ich zueinander haben - auf geistiger Ebene. Körperlich wird es in letzter Zeit zunehmend schwieriger.

Ich habe bereits darauf geachtet, dass mein Handy so leicht wie möglich ist. Klar, an die 102 Gramm des 301 kommt mein 650 nicht hin - es ist mit den nackten 122 Gramm (ohne Schutzhülle) aber immer noch verhältnismäßíg ein Leichtgewicht und schmal gebaut, denn meine Hände sind klein und ich kann mit den immer breiter werdenden Smartphones nichts anfangen. Trotz relativer Leichtigkeit und schmalem Körperbau - mit der Zeit spüre ich diese 20 Gramm Unterschied. Und zwar dann, wenn ich mich einmal mehr völlig gefangen nehmen lasse und absolut vertieft bin in das, was auf dem Touchscreen abgeht. Dann vergesse ich die greifbare Welt, das Handy liegt länger in meiner Hand als mir gut tut und danach habe ich Schmerzen, Krämpfe, Taubheitsgefühle. Dazu kommen müde und überanspruchte Handgelenke, weil ich bereits im Büro pausenlos an der Tastatur untwegs bin. Bei einem Gefühl von “meine Finger mögen einfach nicht mehr!” wären dann ja noch die beiden Daumen? Doch nur mit den Daumen Nachrichten schreiben konnte ich noch nie und kann es auch nicht lernen, da der linke Daumen instabil und der rechte derzeit geschwollen und eingesteift und ich an beiden Händen jeweils Daumenschienen trage. Nachrichten tippe ich mit dem rechten Zeigefinger, doch auch das wird zunehmend schmerzhafter. Und manchmal gibt diese verzweifelten Momente, da bin ich den Tränen nahe, weil ich meine Finger einfach, einfach, einfach nicht mehr bewegen mag, es tut so weh, bitte, bitte, BITTE! Lasst mich sein, lasst mich alle in Ruhe…

Aber wie ihr wisst ist aufgeben keine Option. Hinschmeißen auch nicht. Sich Ruhe und eine Pause gönnen ja, sich etwas Gutes tun, bis “es wieder geht”. Wir wollen ja am Leben teilhaben, damit wir uns eben nicht aufgeben. Wir versuchen, alle Dinge zu tun, die Gesunde tun. Darum, auch als Erinnerung an mich:

 Meine Handy-Gelenkschutz-Tipps

  • Zum Surfen und Schreiben das Handy hinlegen; gegebenenfalls einen Smartphone-Halter verwenden.
  • Einen Pop Socket, Fingerhalter oder Ring-Griff nutzen; dieser wird an die Rückseite des Smartphones angeklebt (mit Vakuum-Haftung zum leichten Ablösen) und entlastet die Hand beim Halten.
  • Wenn euch die Hände weh tun und ihr müsst kommunizieren - dann telefonieren!
  • Zum Telefonieren ein Headset nutzen und das Smartphone ablegen.
  • WhatsApp Desktop ausprobieren; so könnt ihr über den PC oder Laptop eure Nachrichten mit der Tastatur schreiben. Ich liebe das und nutze es täglich! Nicht nur ist es mit der Tastatur wesentlich angenehmer für meine Finger, ich schreibe auch präziser, muss weniger korrigieren und kann dabei viel kreativer antworten. Gleiches gilt für den Facebook Messenger und (wer ein sehr modernes Smartphone hat) die Threema Web App.

Was fällt euch noch ein an Anregungen, Tipps und Empfehlungen rund um die Smartphone-Nutzung mit Rheumahänden? Schreibt mir!

Nun, ihr Lieben, die ihr mich kennt und das hier gerade gelesen habt, mein Schlußwort und meine Bitte, nennt es Botschaft - auf jeden Fall etwas, das mir gerade am Herzen liegt: Nehmt es keinesfalls persönlich, wenn ich nicht sofort zurückschreibe. Dann habe ich gerade Schmerzen, andere Dinge in meinem Leben brauchen meine volle Konzentration und somit ist es einfach nicht der richtige Zeitpunkt. Ich mag keine halben Sachen - ganz oder gar nicht. Ich nehme mir Zeit, in die nötige Ruhe zu kommen, um mich euch mit der ungeteilten Aufmerksamkeit zu widmen die ihr verdient habt. Und für eine gute und “g'scheite” Antwort. In diesen Zeiten spüre ich ganz deutlich, dass wir aus unserer zu getriebenen, unklaren und oft halb-herzigen Kommunikation herausfinden und wieder mehr zur Ruhe kommen sollten. Mit ganzem Herzen dabei sein, zurück zu mehr Tiefgang und einem echten Austausch, auch wieder mehr von Angesicht zu Angesicht. Ich wünsche mir, dass wir immer über einander so denken, egal ob krank oder gesund: es muss nicht immer alles sofort erledigt werden. Gut Ding will Weile haben, so stand es schon auf meinen Hochzeitskarten (-: Und es stimmt. Alles kommt immer zur richtigen Zeit - und wenn es nicht geschieht, war es nicht der richtige Augenblick; daran glaube ich fest.

Sagen, was im Leben zählt und uns näher zueinander bringt. Schweigen, worüber nicht mehr gesprochen werden muss und was uns auseinander treibt.