Tierversuche

7.5.2018

Blog16png

Für meine Schmerzfreiheit und Lebensqualität leiden andere fühlende Lebewesen. Mir bleibt mir diese Tatsache schmerzlich bewusst, auch wenn ich die Gedanken daran erfolgreich verdränge.

Ich lebe vegan; investiere in Kosmetik, Putzmittel und Nahrungsergänzung ohne tierische Inhaltsstoffe, die außerdem nicht an Tieren getestet wurden; vermeide unfaire Produkte und Plastik; kaufe vorwiegend Second-Hand, um unseren Planeten und dessen Ressourcen zu schonen; kurzum: ich tue alles, damit nichts und niemand unter meinem Lebensstil leiden muss. Doch bei meinen Medikamenten stehe ich in einer Sackgasse und es gibt scheinbar keinen Ausweg aus dem Gewissenskonflikt.

Jedes neue Arzneimittel wird zuerst an Tieren getestet, damit es für die spätere Erprobung am Menschen in den klinischen Studien als unbedenklich freigegeben werden kann. Ob diese Methode uns Menschen tatsächlich einen Vorteil bringt, da sich unser Organismus von Mäusen, Ratten, Meerschweinchen, Fischen und Primaten wesentlich unterscheidet, bleibt fraglich. An dieser Stelle sei aber gesagt, dass ich nicht im Detail auf alle Aspekte dieses Themas eingehen möchte. Es macht mich wütend und würde definitiv den Rahmen sprengen. Gerne könnt ihr auf der seriös recherchierten und umfassend dokumentierten Website der Ärzte gegen Tierversuche nachlesen, wann und wo, warum und wie Tierversuche durchgeführt werden, welche Alternativen es gibt und was ihr dagegen tun könnt. Zurück zu mir:

Manche Wirkstoffe können nur durch direkte Verwendung eines Tieres oder dessen Bestandteile gewonnen werden. So wird etwa mein Biological Adalimumab (Humira) in den Eizellen des chinesischen Hamsters gezüchtet. Könnte ich doch nur meine eigenen Eizellen dafür spenden (die ungenutzt bleiben, weil ich mir keine Kinder wünsche), ich würde es sofort tun! Wie wunderbar ist der Gedanke, dass ich selbst direkt zur Herstellung meines Medikamentes beitragen würde. Für den Moment bleibt das allerdings Wunschdenken. Wie also das moralische Dilemma auflösen?

Niemand würde mir nun ernsthaft vorschlagen, auf sämtliche Medikamente zu verzichten, damit ich die Tierversuche umgehen kann. Wobei ich natürlich selbst schon mit diesem Gedanken gespielt habe. Wer meine letzten Blogbeiträge gelesen hat weiß aber, wohin mich das gebracht hat. Selbst wenn es ohne meine Rheumamedikamente gehen würde - was ist mit meiner chronischen Schilddrüsenunterfunktion und meinen starken Pollenallergien? Wie man es dreht und wendet, es führt kein Weg an einer medikamentösen Therapie vorbei. Mir bleibt nur, so gesund und achtsam zu leben, dass ich mit möglichst wenigen Medikamenten auskomme. Wo es sich nicht vermeiden lässt greife ich auf Generika zurück. Das sind Nachahmer-Arzneimittel mit gleichem oder ähnlichen Wirkprinzip wie das Original, die aber nicht an mehr Tieren getestet werden mussten. Das klappt für mich momentan bei zwei von vier Dauermedikamenten, immerhin ein Teilerfolg.

Es gibt bereits Alternativen zum Tierversuch, die sich früher oder später durchsetzen werden - daran glaube ich fest. Solange ich lebe werden jedoch weiterhin fühlende Lebewesen unnötig leiden müssen. Schlussendlich muss also ein gesundes Maß an Verdrängung wohl sein, damit ich nicht durchdrehe und auch nicht Gefahr laufe, mich in Selbstvorwürfen und Verzweiflung zu verlieren. Das bringt niemandem etwas. Es würde meinen Lebenswillen und meine positive Energie lähmen, die ich brauche, um für all das zu kämpfen, was mir im Leben wichtig ist.

Auch, wenn es weh tut, will ich nie vergessen, wie vielen Lebewesen - Mensch wie Tier - ich dieses wunderbare Leben zu verdanken habe. Und ich hoffe, dass ich durch die Art, wie ich lebe, etwas wiedergutmachen kann.